So gewöhnlich

Ausschnitt Krippe: Maria und Josef beim neugeborenen Jesus.
"Die Familie gehört zu den kleinen Leuten, wohl eher zu den Ärmeren." Aufnahme aus der Ausstellung "Historischer Krippenzauber ", Museum Rosenegg Kreuzlingen, Bild: Detlef Kissner

So gewöhnlich

von Rita Bausch

Was feiern wir eigentlich an Weihnachten? Geburtstag von Jesus. Ich will einmal einen ganz irdischen Blick in seine Geschichte werfen. Jesus ist ja nicht "abgehoben" in die Welt hinein geboren, in der wir leben: arm, reich, gesund, krank, verzweifelt, geliebt, gehasst, ängstlich oder mutig, ohnmächtig, mächtig,… – so wie wir alle eben sind. Da hinein ist Jesus Mit-Mensch geworden.

Also: Maria ist ledig und schwanger. Niemand kennt den Vater. Josef ist es nicht. Doch er nimmt Maria zur Frau und bewahrt sie so davor, dass sie aus der Gesellschaft der Anständigen ausgestossen wird. Das Kind kommt draussen bei den Rechtlosen zur Welt. Die Familie gehört zu den kleinen Leuten, wohl eher zu den Ärmeren. Sie fliehen vor Verfolgung und lassen sich nach einigen Jahren in Nazareth nieder. Als Zwölfjähriger wird Jesus von den Eltern drei Tage lang vermisst. Später bricht er auf, wird Wanderprediger ohne festen Wohnsitz. Er gewinnt Freunde für seine Botschaft und schafft sich Feinde – bis zum Tod am Kreuz, draussen bei den Rechtlosen.

Da ist weder harmlose Idylle noch prunkvolles Machtgehabe. Doch diesen Jesus feiere ich an Weihnachten und denke auch an Maria und Josef. Ich glaube: Gottes Liebe und Erlösung kommen bis heute meistens so gewöhnlich mitmenschlich zur Welt – für alle.

Rita Bausch, bis 2007 Leiterin der Kirchlichen Erwachsenenbildung der Kath. Landeskirche Thurgau, verfasste während neun Jahren Beiträge in der Rubrik "Zum Schluss" des Pfarreiblatts forumKirche. "So gewöhnlich" ist ihr letzter Text in dieser Reihe. Auf www.kath-tg.ch stammen die Texte zu Fragen rund um den Glauben und die Kirche (Dossiers) von der Kreuzlinger Theologin.

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