Palliative Care erfordert viel Herzblut

Karin Kaspers-Elekes: "Spiritualität ist das Mehr des Lebens." (Foto: Ursi Vetter)

Sterben ist nicht nur eine medizinische Angelegenheit
Die sehr gut besuchte Wanderausstellung von palliative ostschweiz im Alters- und Pflegezentrum Sunnewies Tobel schloss mit einem ökumenischen Gottesdienst am Sonntag ab.

Monika Wettstein, Leiterin Pflege und Betreuung (LPB) im Sunnewies Tobel ist es ein grosses Anliegen, dass die Bewohnenden ihren letzten Weg nach ihren Wünschen gestalten können. Seit 2002 arbeitet sie im Ostschweizer Palliative Care Netzwerk mit. Katharina Linsi, Leiterin der Geschäftsstelle palliative ostschweiz sagte zu den anwesenden Netzwerkpartnern: "Palliative Care braucht professionelle Fachlichkeit, hat aber ganz viel mit Herzblut zu tun."

Am Rahmenprogramm zur Wanderausstellung haben sich der Pflegewissenschaftler Prof. Dr. Andé Fringer ZHAW, Dr. med. Roman Inauen Facharzt für Onkologie KSM, beide Vorstandsmitglieder bei palliative ostschweiz, Dr. med. Christoph Held Heimarzt und Gerontopsychiater, geriatrischer Dienst der Stadt Zürich, sowie Pfarrerin Karin Kaspers-Elekes MASSc Spitalseelsorgerin und Präsidentin von palliative ostschweiz beteiligt.

Selbstgestaltung der letzten Lebensphase
"Was hat Sterben mit Fasten zu tun? Es ist eine Möglichkeit, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen", mit diesen Worten begrüsste André Fringer die interessierte Zuhörerschaft. "In der Wissenschaft reden wir vom freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit, nicht vom Sterbefasten", präzisierte Fringer. Er betonte, dass es um die Selbstgestaltung der letzten Lebensphase gehe. Bis 2009 gab es eine Mauer des Schweigens um dieses Thema. "Ich war als Forscher gefordert. Es steht mir nicht zu, zu urteilen, ob dies gut oder schlecht ist. Es geht darum, wie wir mit dieser letzten Lebensphase umgehen", betonte er. Dabei könne auch eine Patientenverfügung sehr wichtig werden, ergänzte Fringer. Aus dem Publikum kommentierte Priester Bruno Portmann: "Das Leben ist ein Geschenk vom Hergott, deshalb sollten wir es ihm überlassen, wann es Zeit ist Abschied zu nehmen. Es geht nicht um Selbstbestimmung, weil Gott die Quelle und das Leben ist", worauf Fringer antwortete; "Persönlich teile ich als überzeugter Christ ihre Meinung, doch als Wissenschaftler muss ich Wissen generieren."
Spiritualität ist das Mehr des Lebens
"Zur Palliative Care gehört die Aufgabe, spirituelle Bedürfnisse aufzunehmen und zu begleiten. Dies kann nur gelingen, wenn der Mensch in seinen verschiedenen Dimensionen wahrgenommen wird.", erklärte Seelsorgerin Karin Kaspers-Elekes und berichtete von ihrem Alltag im Spital Münsterlingen. Von dort aus sehe man über den Bodensee bis nach Meersburg. Die Patienten wissen, dass es hinter dem Horizont weiter gehe. Dies sei ein Bild für eine Hoffnung, dass sich auch nach dem Tod eine noch nicht sichtbare Zukunft eröffnen könne. Bestehende Hoffnung komme in der Krise oft ins Wanken, betonte sie. "Spiritualität braucht oft den zweiten Blick. Sie ist, was hinter der Oberfläche aufscheint, das Mehr des Lebens." In der Begleitung gehe es darum, den Menschen in seiner Persönlichkeit wahrzunehmen. Es brauche die Anwesenheit mit allen Sinnen, die gute Nase, das feine Gehör und den Mund, der das rechte Wort findet, aber auch schweigen kann. Spiritualität sei ein Teil der Burnout-Prophylaxe. "Wenn wir beten, meditieren, singen und ein Gedicht lesen, einen Lieblingsort in der Natur aufsuchen ist dies Spiritualität, wenn dies für uns existenzielle Bedeutsamkeit hat. "Spiritualität ist die grosse Suche des Menschen nach dem Sinn des Lebens", sagte die Pfarrerin. Und zu Palliative Care: "Es ist die Lebensphase von dem Moment an, wo wir wissen, wir werden nicht mehr gesund. Das alte Leben verliert seine Sicherheit." Spiritualität sei ein Thema für heute, morgen und übermorgen, nicht nur ein Thema der letzten Lebensphase.: "Es geht darum, was einem wesentlich ist und was einen trägt."
Sterben ist nicht nur eine medizinische Angelegenheit 
Der Onkologe Roman Inauen berichetete in seinem Vortrag von Patientenbeispielen. Das Angebot von Rundtischgesprächen zusammen mit Patienten und Angehörigen wird oft genutzt: "Dabei zählen in erster Linie die Ziele und Wünsche des Patienten." Inauen zeigte den Anwesenden auch auf, welche Aufgabe Palliative plus als Zweitliniendienst leistet. Es ist ein professionelles Team, zusammengesetzt aus Pflegefachfrauen mit langjähriger Ausbildung in Palliative Care, sowie dem ärztlichen Hintergrunddienst, der Seelsorge und der Psychologie.
Wenn Vertrautes fremd wird
Am letzten Vortragsabend sprach Christoph Held, Heimarzt und Gerontopsychiater über das Sterben von demenzkranken Menschen. Sein Buch "Bewohner", mit pointierten Portraits stellte er sehr lebendig vor. Darin beschreibt er sehr einfühlsam, wie es ist, wenn Vertrautes fremd wird und nicht einmal das eigene Bild im Spiegel erkannt wird. In einem Kommentar zu seinem Buch war zu lesen:" Die ganz unterschiedlichen Schicksale berühren einen." Dies ist Held auch an diesem Abend im Sunnewies gelungen.
Erfolgreiche Kick off Veranstaltung
Der feierliche ökumenische Sonntagsgottesdienst, in welchem die Thematik Palliative Care im Mittelpunkt stand, bildete den Abschluss der Wanderausstellung. Die Hauptinitiantin Monika Wettstein zeigte sich mit dem schönen Abschluss absolut zufrieden. "Die Vorträge hatten allesamt ein hohes Niveau und die Besucherzahlen waren überdurchschnittlich. Die Kick off Veranstaltung zur Gründung eines Forums, an dem sich die Anwesenden hochmotiviert beteiligten, war sehr erfolgreich," sagte sie erfreut.

Ursi Vetter

 

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