Weisst du noch …“ – „Erinnere dich daran …“ – so wird manchmal ein Vater, eine Mutter begonnen haben, wenn sie als noch nomadische und später sesshafte Irsraeliten ihren Kindern von Gott erzählten. Und sie tun es bis heute.

In Geschichten, Liedern und Gebeten gab und gibt eine Generation des jüdischen Volkes der nächsten die Botschaft weiter, dass JAHWE, Gott mit uns und für uns, da ist. Er lässt sich in den Familien des Abraham, Isaak und Jakob (Patriarchen) erahnen. Er lässt sich finden in der langen Geschichte Israels, das nach dem Freikommen aus Ägypten zu einem Volk zusammen gewachsen ist, ein Reich gegründet hat. Es hat sich für die Staatsform der Monarchie entschieden. Zur Zeit der Könige David und Salomon wurde es sogar eine Grossmacht. Gott war aber auch da, als Israel auseinanderfiel und durch die Babylonier fast vernichtet wurde. Im Exil spürten die Verschleppten seine Nähe und Liebe. Sie hielten in Treue zu ihm, obwohl dies eine ganz schwierige Zeit für ihr Leben aus dem Glauben war. Und als sie wieder in die Heimat Juda zurückkehren durften, wo sie fortan dauernd unter einer Fremdherrschaft lebten und ein unbedeutend kleines Volk blieben, fanden seine die Spuren immer wieder: Gott war und ist mit uns und für uns da!

Über lange Zeit sahen die Israeliten JAHWE als ihren Volksgott, der sich auf die Seite des kleinen, von allen Seiten bedrängten Volkes stellte.

Was im jüdischen Volk als Heilsgeschichte Gottes seither erzählt, besungen und in vielen Festen gefeiert wird, wurde seit ca. 1000 v.Chr. auch immer wieder aufgeschrieben. Es entstanden viele Bücher zum Glauben an JAHWE: Erzählungen aus der Geschichte, Gebete, Lieder, Gesetze und Vorschriften, Festgestaltungen, Klageschriften über das Traurige und Böse. Von Männern, die dem Volk immer wieder ins Gewissen geredet haben, gibt es Texte. Es sind die Schriften der Propheten. Ihre Mahnungen sollten nicht vergessen werden. Viele Gebete und Lieder wurden gesammelt, die auch in den Gottesdiensten im Tempel und in den Synagogen Platz fanden. So sind die 150 Psalmen das Gebetbuch Israels bis heute.

Viele dieser Texte wurden der Heiligen Schrift des jüdischen Volkes zugeordnet. Sie wollen bis heute wie ein Testament sein, das Gott dem Volk mit auf den Weg gibt, damit es ihn erahnt in dem was geschieht. Die 46 Bücher des AT sind eine Einladung Gottes: Glaubt an mich! Vertraut mir! So wie ich diesem kleinen und oft so bedrängten Volk damals nahe war, so bin ich auch mit und für euch da und will, dass ihr Zukunft habt!

Wie ein Roter Faden zieht sich durch das ganze AT die Spannung: JAHWE ist da und will, dass den Menschen ihr Leben in Gerechtigkeit und Freiheit gelingt. Er bietet ihnen als Einzelne und als Volk Hilfe in dem, was sie als seine Weisungen erkennen. Doch immer wieder wollen Einzelne und das Volk die Regie für’s Leben selber in die Hand nehmen und Gott ‚beiseite lassen‘. Jedesmal gelangen sie zur Einsicht: ‚Es war falsch.‘ Wie oft haben sie vertraut und erlebt: Gott macht mit uns einen neuen Anfang – immer wieder. Er hilft uns umzukehren, er verzeiht und erlöst uns aus den Zwängen des Bösen und Tödlichen.

In diesem Glauben, in dieser religiösen Deutung des Lebens ist Jesus von Nazareth gross geworden. Wie er später gelebt, was er später getan und gesagt hat, lässt sich nur auf diesem Hintergrund richtig verstehen. Jesus war Jude.

Wenn Christen im AT mit offenem Herzen lesen, können sie spüren, dass uns da bis heute das Wort Gottes entgegenkommt. Weil es auch uns den Weg zum Glauben zeigt, gehören in der katholischen Lehre auch all 46 AT-Bücher zur Bibel.