Oft wurde ich schon gefragt: „Glaubst du wirklich, was in der Bibel steht?“ und von Herzen kann ich jedesmal Ja sagen. Manchmal gab es schon etwa so einen Dialog: „Glaubst du wirklich, dass Adam und Eva die ersten Menschen waren?“ „Nein. Sie sind in den Urgeschichten der Bibel (Gen 1 – 11) Bild für den Menschen schlechthin. Da wird erzählt: Mann und Frau gehören aus Liebe zusammen. Sie sind immer wieder versucht, selber die letztgültige Instanz, Gott, sein zu wollen und werden dadurch unglücklich, innerlich heimatlos. Gott ist mit ihnen auch auf diesem Irrweg. Das glaube ich.“

„Glaubst du wirklich, dass Gott für die Hebräer in der Wüste Manna vom Himmel fallen liess?“ (Ex 16) „Nein. Doch die Leute unterwegs mit Mose fanden in der Wüste das ihnen unbekannten Manna. Sie merkten, dass dies gute, vitaminreiche Nahrung war, die sich jedoch nicht aufbewahren liess. Da drin erlebten sie Gottes fürsorgende Liebe zu ihnen. Das glaube ich.“ (Manna = Werden die Tamarisken in der Wüste von Insekten gestochen, scheiden sie etwas aus, das in kleinen weissen Stücken auf den Boden fällt oder an den Ästen oder am Stamm kleben bleibt.)„Glaubst du, dass Gott die Zehn Gebote auf dem Berg Horeb im Sinai in Stein gemeisselt und sie Mose gegeben hat?“ (Ex 20/Dtn 5) „Nein, Dass jedoch die Israeliten Ordnungen und Gesetze formuliert und festgehalten haben, die ihnen Weisung für ein gutes Zusammenleben hin waren, das glaube ich. Sie mussten und wollten lernen, Eigenverantwortung für ihre Gesellschaft in Freiheit  zu übernehmen. Das war nach langen Jahren der Unterdrückung durch gestrenge Pharaonen nicht einfach. Sie erkannten, dass es hilfreiche Weisungen und Gesetze brauchte, um in Frieden und Gerechtigkeit zusammen zu leben. Ich glaube auch, dass auf diesem Weg Gott ‚am Werk‘ war, und dass dies die Israeliten gespürt haben. Bis heute sehe ich die Zehn Gebote als Gottes Weisung für uns, damit unser persönliches und soziales Leben gelingt.“

„Glaubst du, dass die Fischer am See von Galiläa sofort ihre Netze fallen liessen und ohne Abschied von der Familie mit Jesus mitgegangen sind?“ (Mt 4/Mk 1/Lk 5) „Ich weiss es nicht. Das Evangelium ist kein Protokoll. Doch ich glaube, dass diesen Männer die Begegnung mit Jesus klar machte: Jetzt ist Zeit, im Leben etwas Neues anzufangen. Gott rechnet mit uns noch anders als bisher. Sie fanden den Mut dazu durch Jesus aus Nazareth.“

Noch viele Beispiele liessen sich erzählen.Gerade weil es gilt, die Botschaft der Bibel ‚beim Wort‘ zu nehmen, sie als Offenbarung Gottes zu verstehen, können Christen sie nicht einfach wörtlich nehmen. Offenbarung heisst, hinter den verschiedenen Texten der Bibel stehen Erlebnisse einzelner Menschen, des Volkes Israel, der christlichen Gemeinden der ersten Zeit. Es sind konkrete, geschichtliche Ereignisse. In der Bibel als Glaubensbuch sind sie nie protokollarisch als Tatsachenberichte festgehalten. Sie sind von Menschen bedacht worden mit der Frage: Wie hat sich Gott von uns da finden lassen? Wie hat er sich geoffenbart? Wie war er mit uns da? Wie haben wir ihn erahnt?

Christen erkennen die biblische Botschaft als Offenbarung Gottes durch die Deutung des menschlichen Lebens und im menschlichen Wort, in der damaligen Zeit, im damaligen Weltbild und im hebräisch-aramäisch-griechisch-römischen Sprach- und Kulturraum. Die Theologie spricht sinngemäss von der Inspiration der Heiligen Schrift.

 Der Bibel als Offenbarung Gottes zu glauben, heisst dann:

  • Menschen haben Lebenserfahrungen gemacht, in denen Gottes Geistkraft wirksam war.
  • In dem, wie die biblischen Schriftsteller diese Erfahrung Gottes im Leben in vielerlei Sprachformen aufgeschrieben haben, war Gottes Geistkraft wirksam.
  • In dem, was heutige Menschen im Lesen der Bibel an Wahrheit zum gelingenden Leben finden, ist Gottes Geistkraft wirksam.