Der Jugendchor Bergen (NL) textete um 1960 ein Lied mit folgendem Refrain: „Fragt den Mann aus Nazareth, der sich Jesus nannt‘. Er erzählt uns über Gott, dazu ward er gesandt.“

Wer Jesus aus Nazareth über Gott befragen will, kommt am NT nicht vorbei. Was er durch seine Art zu leben, sein Reden und Tun über Gott mitteilen wollte, ist darin aufgeschrieben. Er selber hat nichts Schriftliches hinterlassen.

Es ist ähnlich wie bei der Entstehung des AT. Nur steht jetzt nicht die gelebte Geschichte verschiedener Menschen und des Volkes Israel mit seinem Zeugnis für Gott im Mittelpunkt. Im Zentrum des NT steht Jesus aus Nazareth mit seiner Botschaft von Gottes Reich und vom Menschen in Beziehung zu ihm.

Jesus wurde durch sein Wirken, sein Sterben und seine Auferstehung für immer mehr Menschen - zuerst im jüdischen Volk und sehr bald auch im griechisch-römischen Umfeld -  zum Massstab des Lebens. Sie erzählten von ihm in den Versammlungen, in den Gottesdiensten, in der Glaubensverkündigung. Aus all dem, was über ihn aufgeschrieben wurde, entstand in der Zeit bis ca. 100 n.Chr. das, was für Christen die Heilige Schrift, Neues Testament, Wort Gottes zum Leben ist.

Am Anfang des NT stehen die vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Zutiefst geht es allen vier Evangelien darum, den Christengemeinden in ihren verschiedenen soziokulturellen Verhältnissen zu verkünden: Jesus Christus ist das Evangelium, die Frohbotschaft Gottes.

In den Evangelien, der Apostelgeschichte, den Briefen des Paulus und anderer Gemeindeleiter und der Offenbarung des Johannes wird deutlich, dass Jesus Christus alle Menschen dem Reich Gottes zuzählt. Was von Menschen an Befreiendem und Erlösendem erkannt wird, wie Gerechtigkeit, Frieden und Ehrfurcht vor der Würde jedes Menschen wachsen können, was Liebe meint, das verwirklicht sich nicht nur in der Jesus-Bewegung, in der christlichen Kirche. Das NT zeigt, dass für Jesus Gott keine Grenzen kennt. „Sein Geist weht, wo er will.“ (Joh 3,8) Es gibt keinen Ort, an dem es nicht möglich ist, Gott zu finden, ihn zu lieben. Alle Menschen können tun, was Gottes Reich entspricht: „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben, krank, und ihr habt mich besucht, …“ (Mt 25,35-40)

Für Christen ist das NT massgebende Heilige Schrift:

  • An Jesus Christus können wir uns in unserm Denken, Werten und Handeln orientieren.
  • Jesus Christus zeigt, was es heisst, ein wahrer Mensch zu sein.
  • Jesus Christus ermutigt uns, unsere eigene Wahrheit zu finden, gemeinsam die zu werden, die wir wirklich sind.
  • Am Urteil von Jesus Christus entscheidet sich, was gut und was böse ist. An ihm können wir erkennen, ob wir schuldig geworden sind und Umkehr nötig ist.
  • Mit Jesus Christus können Menschen sich zum Guten hin verändern.
  • Jesus Christus befreit von falschem Gehorsam gegenüber Vorschriften und Gesetzen. Er selber wird letztgültige Instanz.
  • In Jesus Christus können Grund, Sinn und Ziel unseres Lebens sichtbar und spürbar werden – letztlich: Gott.

So erreicht Christen im NT in Jesus Christus das, was Menschen unbedingt angeht: Gott – und unsere Beziehung zu ihm, zueinander und zu uns selber.