‚Menschen gehen mit der Erde so um, als ob sie eine zweite im Keller hätten‘. So stand es vor Jahren in der Agenda zur Fastenzeit.
Es ist bekannt, dass das Leben der Erde in eine Krise geraten ist. Das ökologische Gleichgewicht droht auseinander zu fallen. Alle Menschen sind aufgerufen, ethisch verantwortungsvoll zu handeln, damit weiterhin Leben für alle und alles auf dem Planeten Erde möglich sein soll.
Christen glauben sich von Gott beauftragt, zum Wohl allen Lebens auf der Erde zu handeln: Seid fruchtbar und mehret euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht …‘. Dieser Auftrag hat leider eine tragische Wirkgeschichte. Er hat wesentlich dazu geführt, dass Christen sich als absolute Besitzer und Herrscher dieser Erde verstanden haben: ‚Sie ist nur da, uns als Rohmaterial für unsre Zwecke grenzenlos zu dienen‘. Dabei ging vergessen, dass Gott den Menschen als sein Abbild erschaffen hat (Gen 1,27), womit klar formuliert ist, dass des Menschen Herrschaft über die Mitwelt Mass zu nehmen hat an der Art und Weise, wie Gott Herrschaft ausübt: nicht vernichtend.
Christen müssen sich wieder als Beauftragte zum Wohl allen Lebens verstehen. Ehrfurcht vor Gott und vor dem Lebensrecht von Menschen, Tieren und Pflanzen, von Wasser, Luft und Erde tut der Heilung des kranken Planeten not. Wenn wir uns auf den wahren Geist der Heiligen Schrift zurückbesinnen, können auch die Generationen nach uns wie der Psalmist singen: ‚Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, vom Werk seiner Hände kündet das Firmament. …‘(Ps 19,2ff).
Im NT kommt immer wieder zum Ausdruck, dass der ganze Kosmos nicht das Produkt einer anonymen Energie, sondern die Schöpfung eines persönlichen Gottes ist (Joh 1,3; Kol 1,16f; Hebr 1,2f).
Die Schönheit der Schöpfung soll bis in die ferne Zukunft Menschen mit Staunen, Lob und Dank, erfüllen. Die Natur soll Tieren und Pflanzen Lebensraum und den Menschen immer wieder Quelle der Freude und der Inspiration sein.
1989 rief Carl Friedrich von Weizsäcker (1912-2007) zusammen mit andern die weltweite konziliare Bewegung ins Leben ‚Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung‘. Sie zeitigt überall dort Früchte, wo Menschen wieder lernen, die Erde zu bebauen und zu nützen, jedoch auch ihre Grenzen als Verwalter der Schöpfung einzuhalten. Christliche Mitweltethik orientiert sich an folgenden drei Haltungen:
- Liebe zur Natur – Letztlich dürfen alle Geschöpfe in die Nächstenliebe hinein genommen werden. Sicher gibt es Graduierungen dieser Liebe. Doch alles verdient Wertschätzung. Auf besondere Weise haben z.B. Franz von Assisi (1181/82-1226)) und Hildegard von Bingen (1098-1179) aus solcher Liebe zu allen Geschöpfen gelebt.
- Ehrfurcht vor der Mitwelt – Gedankenloses Zerstören und Ausbeuten missachten den Wert der Mitwelt. Menschliche Eingriffe in ihre Mitwelt müssen gerechtfertigt sein.
- Masshalten und Selbstbeschränkung – Die Mitwelt ist nicht nur zum Dienst für die Menschen da. Wir sind verpflichtet, mit Respekt und Verantwortung die Natur und ihre Schätze zu gebrauchen. Es gilt im wissenschaftlichen, technischen, industriellen und alltäglichen Gebrauch der natürlichen Ressourcen abzuschätzen, ob wir wirklich alles dürfen und sollen, was wir können.
Umweltethik beeinflusst die ganz praktischen ökologischen Entwicklungen und die Gestaltung des Planeten. Regenerierbare Ressourcen dürfen nicht schneller verbraucht werden, als sie ersetzt werden können. Wir sollen verbrauchen, was wir nötig haben und unsere Bedürfnisse verantwortlich der Mitwelt gegenüber ‚im Rahmen‘ halten, Verschwendung vermeiden und die Mitwelt erhalten. Ökologische Massnahmen, die das Zusammenleben von Menschen, Tieren Pflanzen, von Luft, Erde und Wasser wieder ins Gleichgewicht bringen, wird es zum Nulltarif nicht geben. Alle müssen ihren Teil dazu beitragen!