Gottes Kraft in jedem Menschen
Kirche St. Ulrich und Afra, Kreuzlingen

Gottes Geist weht wo er will

„Ich bin begeistert!“ „Das begeistert mich!“ – Wie oft haben Sie dies schon glücklich ausgerufen?!

Be-geistert-sein heisst: Etwas berührt, erfüllt, bewegt uns, macht uns glücklich. Christen glauben: In solchem Erleben wirkt Gottes Geist, Lebenskraft, die von Gott, von Jesus Christus ausgeht.

Bereits in Vers 2 des ersten biblischen Buches Genesis ist von Gottes Geist zu lesen: „… die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.“ (Gen 1,2) In der hebräischen Sprache wird dieser Gottesgeist „Ruach“ (Atem, Lebensatem) genannt; in der griechischen Übersetzung „Pneuma“ (Luft, lebensspendende Luft). Die Bibel kennt viele Namen und Umschreibungen für die Geistkraft Gottes: Lebens- und Liebeskraft; schöpferische Kraft; Beistand; Göttliche Kraft, die Barrieren durchbrechen kann; der Tröstende; der verborgen Wirkende; Liebesfeuer, das Menschen zur Liebe zu Gott, zum Guten und zum Frieden entflammt; sie beunruhigt oder beruhigt; sie bricht auf; sie treibt vorwärts; sie befreit von Angst; sie ermutigt zum Entscheiden und Handeln aus Gottvertrauen; sie führt Menschen zusammen; sie ermöglicht zu glauben, umzukehren; sie ist Gott-in-uns, …

Christen glauben, dass die Schöpfung Gottes durch seinen wirkenden Geist eine gute Zukunft haben kann. Wir glauben, dass der Heilige Geist in die alltäglichen Erlebnisse hinein greift. Er wirkt nicht nur in der Kirche, „Er weht, wo er will.“ (Joh 3,8) Manchmal erleben Menschen die Geistkraft Gottes wie einen Sturm, der ihr Leben erschüttert. Doch sie ist es, die uns auf gutes Leben hin bewegt. Umgangssprachlich sagen wir da und dort über eine Familie, einen industriellen Betrieb, eine Pfarrei, eine Schulklasse, ein Quartier, einen Wohnblock: „Hier herrscht ein guter Geist.“

Paulus schreibt in seinem Brief an die Christen in Galatien: „Die Frucht des Geistes aber ist die Liebe, Freude, Friede Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. …Wenn wir aus dem Geist leben, dann wollen wir dem Geist auch folgen. Wir wollen nicht prahlen, nicht miteinander streiten und einander nichts nachtragen.“ (Gal 5,22-23a.25f)

Katholiken verbinden die Geste des Kreuzzeichens mit den Worten: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Diese Worte sind uns als frühe altchristliche Taufformel im Evangelium nach Matthäus überliefert. (Mt 28,19)

Viele Frauen und Männer machten ihren Glaubensweg zum Christ-sein aus einer polytheistischen Religion mit vielen Gottheiten. Auf den Namen Gottes getauft zu werden, hiess für sie: Ich gebe meinen Glauben an die verschiedenen Gottheiten auf und bekenne mich zu dem einen Gott. Ihm, wie einem Vater, einer Mutter für alle, will ich mich anvertrauen. Ich will mich an Jesus, dem Sohn Gottes und Erlöser orientieren und mich nach seiner Lebensweise ausrichten. Und ich bin bereit, mein Leben dahin zu verändern, dass ich aus dem Geist Gottes, des Vaters und des Sohnes, leben will.

Somit ist diese Taufformel bis heute für katholische Christen Einladung und Aufforderung nachzudenken:

Wen bete ich an? Wer gibt mir im Leben Orientierung und Massstab? Wer bestärkt mich zu einem gelingenden Leben?