‚Die Kirche ist wie eine Schildkröte. Sie hat einen starken Panzer, den man betasten, beklopfen und schlagen kann. Aber in ihrem Innern ist sie ganz weich und lebendig‘! (Stephan Leimgruber)
Welches ‚Innenleben‘, welche Tiefendimension hat die christliche Kirche? Davon sprechen Jesus Christus und die ersten Christen im NT. Sie brauchen Bilder, um das zu zeichnen, was Kirche ist. Ein Bild zeichnet nie das Ganze, jedoch immer einen wichtigen Aspekt. Einige der vielen Innenansichten der Kirche sind:
‚Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben‘ (Joh 15,1-17)
Kirche lebt nicht aus sich selber. Das Bild zeichnet die unverzichtbare Beziehung, Anbindung der Glaubensgemeinschaft an Jesus Christus. Aus seiner Kraft, aus seinem ‚Lebenssaft‘ allein erhält sie die richtige Nahrung, die sie befähigt, Frucht zu bringen für das Leben der Welt. Wo Jesus Christus mit seiner Liebe zu Gott und zu den Menschen nicht mehr der Grundstock und die Mitte der Kirchengemeinschaft ist und bleibt, beginnt sie zu verdorren, abzusterben.
‚Wir sind der Leib Christi‘ (1 Kor 12,12-26)
Paulus zeichnet die Kirche im Bild vom Leib mit all seinen Gliedern. Keines von ihnen kann sich über ein anderes erheben. Alle sind aufeinander angewiesen, damit der Organismus lebt. Und wenn eines leidet, krank ist, tut das dem ganzen Leib weh.
Das Bild vom Leib Christi, dessen Haupt er selber ist, zeigt: Kein einzelner Christ, keine einzelne Pfarrei oder Bistumskirche ist für sich selber berufen und gesandt, sondern für’s Miteinander-sein im einen Dienst und Zeugnis für Gott. Das Bild ermutigt die einzelnen Christen, sich in aller Verschiedenheit zu achten und zu lieben. In der Kirche ist jeder und jede brauchbar und niemand zu gering.
‚Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt‘. (1 Kor 12,4-7)
‚Ihr seid das Salz der Erde – ihr seid das Licht der Welt‘ (Mt,13-16)
Dieses Bild aus der Bergpredigt stellt Kirche-sein dar in ihrer Sendung für die Welt. Kirchengemeinschaft ist nicht berufen, sich nur mit sich zu beschäftigen, sich selber zu pflegen. Sie ist gesandt, das Zusammenleben auf dieser Erde ‚zu würzen‘, schmackhaft und geniessbar zu machen für alle. Sie hat auch dort heilend zu wirken, wo Ungerechtigkeiten die Würde aller Geschöpfe zerstören – auch wenn ‚es beisst‘.
Eine Stadt auf dem Berg mit ihren Lichtern leuchtet Menschen unterwegs in der Nacht: Da ist ein Ort, wo wir Unterkunft finden können, uns wieder orientieren können, wo wir eigentlich sind. So sendet Jesus Christus die, die ihn lieben, suchende, desorientierte Menschen aufzunehmen und ihnen einen guten, befreienden Weg in ihre Zukunft ‚auszuleuchten‘. Das kann für Einzelne sein und auch für politische, wirtschaftliche Gruppierungen und Systeme.
‚Volk Gottes unterwegs‘
Das Bild zeichnet die Kirche als wandernde Gemeinschaft. Wir sind noch nicht am Ziel. Alle Getauften sind eine Weggemeinschaft im Laufe der Geschichte. Da gibt es niemanden, der wichtiger oder weniger wichtig ist. Zum Volk Gottes gehören alle gleichwertig. Immer wieder droht ihm auch die Gefahr, sich ‚zu verlaufen‘, falsche Wege einzuschlagen. Es muss als Gemeinschaft deshalb auch immer wieder umkehren, sich auf dem Weg zum Ziel neu ausrichten.
Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) hat dieses alte Bild für die Kirche wieder neu entdeckt. Es ist vielen Christen unserer Zeit sehr lieb geworden. Es spricht von der Möglichkeit zu werden und zu wachsen, zu gehen, zu suchen und zu finden – und wieder gemeinsam weiterzugehen.
Zum selbstkritischen Nachdenken:
‚Man will Volk werden, aber vergisst dabei manchmal, dass es ja darum geht, Volk Gottes zu werden‘. (Paul M. Zulehner)