‚Wir Christen feiern viele Feste: Weihnachten, Ostern und Pfingsten sind die bekanntesten. Wir feiern den Geburtstag von Gottes Sohn, Jesus Christus; wir erfahren von seinem Sterben und von seiner Auferstehung; wir freuen uns, dass Gott uns seinen Geist geschickt hat und wir nun eine grosse Gemeinschaft von Christen sind‘. (aus: Mein grosses Buch vom Kirchenjahr‘)
Weihnachts- und Osterfestkreis sowie Zeit im Jahreskreis
Diese drei Hochfeste des Kirchenjahres sind in zwei Festkreise eingebunden. Mit dem ersten Adventssonntag beginnt der Weihnachtsfestkreis und mit ihm stets das neue Kirchenjahr. Die Vorbereitungszeit über vier Adventssonntage gilt dem Höhepunkt des Festes der Geburt Jesu. Es bleibt präsent und klingt aus mit dem Fest der Taufe Jesu am Sonntag nach dem 6. Januar.
Der Aschermittwoch eröffnet den Osterfestkreis. Nach der 40-tägigen Fastenzeit steht die Karwoche und das Fest der Auferstehung Jesu in der Mitte. Es lässt die Erlösungsbotschaft weiterklingen bis zum Fest Christi Himmelfahrt, 40 Tage nach Ostern. Jetzt folgt die neuntägige Vorbereitung auf Pfingsten hin. Mit dem Hochfest von Pfingsten endet der Osterfestkreis. Am Schluss steht die grosse Feier des Glaubens: Wie Gottes Geistkraft die ersten Christen zur Freude an Gott und seiner Schöpfung, für Jesus Christus und seine Frohbotschaft begeistert hat, ihnen den Mut und die Kraft zum Glaubenszeugnis gab, so tut er es bis heute.
Die Zeit von Pfingsten bis zum Christkönigsfest am Sonntag vor dem nächsten Advent ist die ‚Zeit im Jahreskreis‘. Was die zwei Kirchenjahrfestkreise auf intensive Weise gefeiert haben, soll sich jetzt in den Herzen der Christen verinnerlichen. Es soll im weitern Feiern und im Handeln aus dem Glauben befreiende Gestalt erhalten.
Den Glauben mit allen Sinnen erfahren
Die katholische Kirche ist in der Feier des Glaubens eine sinnenfreudige Kirche. Viel Symbolik und Brauchtum begleiten und deuten, was wir und feiern. Es gibt zu sehen und zu hören, zu riechen und zu greifen – und bei manchem Agape-Mahl = gemeinsames Essen aus Liebe zueinander auch zu schmecken. In den Kirchen sind da die verschiedenen Farben der liturgischen Gewänder in den Gottesdiensten, der sich ändernde Kirchenschmuck, die verschiedene Gestaltung der Musik und der Stille, die Festkreis-Lieder und die Sprache des Kerzenlichtes. Wir feiern in der Kirche und im Freien, an Tagen und in den Nächten.
Es ist nicht umsonst, in der Weihnachtsnacht die Geburt Jesu als Licht für die Welt zu feiern. Es ist nicht umsonst, die Auferstehung Jesu in der Osternacht mit dem Feuer, der Osterkerze als Symbol für Jesus Christus und mit der Erneuerung unserer Taufe zu feiern im Glauben: Gott holt uns aus allem Tod ins Leben. Mancherorts brennt in der Nacht auf Pfingsten hin ein Feuer. Die Versammelten beschäftigen sich im Gespräch, in Gebet und Liedern am Feuer mit Gottes Angebot: Ich will in euch ein Feuer anzünden, damit ihr aus gutem Geist euer Leben gestalten könnt.
Symbole und Bräuche als "heilender Weg"
Adventskranz, Krippe und Weihnachtsbaum, Sternsinger und Segnung der Kerzen am 2. Februar; die Asche auf dem Kopf, das Fasten, die Aktion ‚Wir teilen‘ und die Suppentage, die Fusswaschung am Hohen Donnerstag, Karfreitagsliturgie und Osterkerze; Bittprozessionen und Pfingstfeuer; Fronleichnamsfest draussen in der Stadt oder mitten im Dorf, die Segnung der Kräuter am Fest der Aufnahme Marias in den Himmel am 15. August, Erntedankfest und das Verbundensein mit den Verstorbenen an Allerheiligen und Allerseelen auf dem Friedhof – all dies sind Erlebnisse, Zeichen und Symbole, die dem Glauben im Laufe des Jahresfestkreises ‚Hand und Fuss‘ geben, Freude und Besinnlichkeit schenken. Manche Feste verbinden die Pfarreien auch mit einem Agape-Mahl.
Viele religiöse Symbole und Bräuche finden nicht nur in der Gemeinschaft der Pfarrei ihren Platz, sondern ebenso in der Familie, in den Wohnungen und Häusern.
‚Das bewusste Begehen und Feiern der verschiedenen Zeiten und Feste des Kirchenjahres kann zu einem bewusstseinerweiternden, ja therapeutischen und heilenden Weg werden und so grosse Bedeutung gewinnen.. Das Jahr bietet mit seinen Festen eine bunte und umfassende Palette der Vielfalt von Lebenssituationen, Freuden und Krisen, wie sie im Leben eben vorkommen. … Alle Feste haben in diesem Kreis dieselbe Mitte und zugleich ihre Ausrichtung zur Mitte hin‘. (Gerhard Behringer)