Hier ist ein Tisch, und ein Tisch ist dort - hier hält man Mahl, und Mahl hält man dort; hier nimmt man Brot und Kelch wie dort - und man sagt Jesus hier so wie dort. Da feiern Christen, dort so wie hier - feiern sie anders, anders als wir? Warum feiern wir getrennt? (Lothar Zenetti)
Warum? – Die Frage stellen sich Christen in allen Kirchen. Und sie erzählen einander, wie sie das Sakrament verstehen, was es ihnen bedeutet. Und dann zeigen sich in ökumenischen Gesprächen Gründe für das Abendmahl dort und die Eucharistiefeier hier, Gründe, die bis heute nicht einfach als nicht relevant zur Seite geschoben werden können.
Was den einzelnen Kirchen das Sakrament des Mahles bedeutet, hängt auch damit zusammen, wie sie Kirche-sein verstehen (Dossier 8.2). So wird die Eucharistie jedes Mal auch zum Zeugnis, dass wir Gläubige unserer Kirche sind und so zu ihr gehören wollen, wie sie im Beten und Feiern präsent wird. Da hinein gehört die Frage: Dürfen wir einfach von unsern Mitchristen in den andern Kirchen erwarten, dass sie zum weltweiten Kirche-sein, wie die römisch katholische Kirche es versteht, auch Ja sagen und dieses Ja durch ihre Teilnahme am eucharistischen Mahl bezeugen?
Aus diesem verschiedenen Kirchenverständnis heraus verstehen sich die Leitenden in ihrer Beziehung untereinander nicht in allen Kirchen in der gleichen Verbindlichkeit. Ein Priester in unserer Kirche ist Priester in gemeinsamer Verantwortung mit den andern Priestern und vor allem mit dem Bischof als Leitendem des Bistums, zu dem diese Pfarrei, diese kirchliche Gruppe oder Bewegung gehört. Der Bischof ist Bischof in leitender Gemeinschaft zusammen mit den andern Bischöfen. Alle Bischöfe nehmen gemeinsam ihren Leitungsdienst wahr in Gemeinschaft mit dem Papst, dem ‚Diener aller Diener‘ in der Kirche, dem ‚Diener an der Einheit‘ der weltweiten Kirche.
Jede Eucharistiefeier ist dadurch nicht nur Feier der Erlösung Jesu Christi aus Sünde und Tod für die Mitfeiernden oder diese Pfarrei, diese Gruppe. Sie ist immer hinein genommen in die Gemeinschaft der weltweiten Kirche und mit denen, die uns im Glauben vorausgegangen sind. In jeder Eucharistiefeier drückt sich diese weltweite Gemeinschaft und Verbundenheit aus: Wir beten für unsere Mitchristen, für die Bischöfe, für den Papst, für alle, die in der Kirche besondere Verantwortung tragen und gedenken der Verstorbenen. Das ist nicht ein unwesentlicher Teil des Feierns als Gemeinschaft der Kirche.
Mich beeindruckt es immer, wenn Priester in diesem Gebet auch für die Christen und die besonders Verantwortlichen der andern Kirchen in West und Ost auf unserer Erde beten. Sie bezeugen damit, dass wir uns mit ihnen als Brüder und Schwestern im Glauben auf dem Weg wissen, der in dieser Welt wahrlich nirgends ein einfacher Weg ist. Er bedarf unseres Gebetes füreinander.
Die Eucharistiefeier ist jedoch weit mehr als die Mahlgemeinschaft als Kirche. Sie ist Begegnung mit Jesus Christus, der uns erlösend und stärkend an den Tisch einlädt und sich uns selber schenkt.