Sakramente - Busse und Versöhnung (Beichte)
Die Hand Gottes ist immer ausgestreckt

Es gibt Worte, die sind von ihrem Wesen her so, dass ich sie mir nicht selber sagen kann. Ich muss sie mir sagen lassen. Das Wort der Vergebung müssen wir uns sagen lassen!

In unserm Leben gibt es Schuldig-werden und Sünde. Mit Sünde bezeichnen wir unser Schuldig-werden Gott gegenüber. Otto Pesch sagt es so: ‚Der Glaube erkennt Gott als den Herrn des Lebens. Herr ist Gott dadurch, dass er die Menschen mit Leben beschenkt und sie einlädt, in Gemeinschaft mit ihm den Sinn und das Glück dieses Lebens zu finden. Der Mensch nimmt diese Einladung an und lebt, wie es ihr entspricht – das nennen wir „glauben“. Oder er verweigert sie, kündigt sie wieder auf – das nennen wir „Sünde“. „Sündigen“ heisst Nein sagen zu Gott. Es ist das Gegenteil von Glaube, und darum ohne Glaube auch nicht zu erkennen.‘

Es gibt persönliche Schuld und Sünde. Wir tun Böses und unterlassen Gutes. Wir tun, was unser eigenes Leben zerstört. Wir tun, was Beziehungen und das Leben anderer zerstört. Wir tun, was dieser Erde, dieser Welt schadet und sie zerstört. Wir tun, was unsere Verbundenheit mit Gott verrät. Und es gibt gemeinsame Schuld und Sünde als Familie, als Kirche, als Staat, als kulturelles Volk. Gerade die letzten Jahre haben kollektive Schuld an Menschengruppen
aufgedeckt und nach Wegen der Wiedergutmachung gerufen – kaum nach Verzeihen und Vergeben.

Unsere Zeit ist stark geprägt von zunehmender Hemmung und Scheu, von Sünde und Schuld zu reden. Schnell sind wir darauf bedacht, einander Schuldgefühle auszureden, sie als zerstörerische Kräfte für unser Ego wegzuräumen. Ein Mensch, der Schuld und Sünde eingesteht, zeigt, dass er um seine Verantwortung im Kleinen oder Grossen weiss. Und er zeigt seine Sehnsucht nach Verzeihung, nach Vergebung, nach Heilung – auch von Gott.

Wenn wir über das Sakrament der Umkehr und der Versöhnung nachdenken, fragen wir nach Gottes Umgehen mit unserm Schuldig-werden und Schuldig-sein. Das hat sich für Christen vor allem offenbart in Jesus Christus. Er hat mit Sündern Tischgemeinschaft gehalten (Lk 5,27-32). Er hat ihnen vergeben, und so ermöglicht, dass sie wieder ganz zur Gemeinschaft dazugehörten(Lk 19,1-10; Joh 8,1-11). Er hat Menschen zur Einsicht begleitet, ihren wirklichen Notstand der Liebe und des Glaubens zu erkennen (Mt 15,1-20; Joh 9,1-41). Jesus hat durch seine Art zu verzeihen und zu vergeben Menschen ermöglicht, sich wieder aufzurichten, neu anzufangen(Mk 2,1-12). Er hat seiner Nachfolge-Gemeinschaft den Auftrag gegeben: ‚Vergebt und verzeiht‘! (Mt 18,12-14; Lk 17,3bf; Joh 20,19-23)

Jesus hat die Schuld und Sünde der Menschen nicht verschwiegen und nicht bagatellisiert. Er wollte sie herausholen aus dem Weg in den eigenen Abgrund, in den inneren Tod. Darin sah Jesus seine Lebensaufgabe, in der er den Menschen den liebenden, treuen und barmherzigen Gott erfahrbar machen wollte.

Von Anfang an wusste sich die Kirche gesandt, den Dienst der Vergebung und Versöhnung zu tun. Alle Christen, besonders jene, die Leitungsaufgaben haben, sollen helfen, Schuld und Sünde zu überwinden und auf den guten Weg umzukehren.

Für viele Christen sind heute kaum mehr die Beichtstühle in den Kirchen der Ort, wo sie das Sakrament empfangen. Sie suchen dafür den Priester im Pfarrhaus, im Kloster (z.B. Fischingen, Bernrain, Kapuzinerkloster Wil), an einem Wallfahrtsort (z.B. Einsiedeln, Sachseln) auf. Sie nehmen sich bewusst mehr Zeit für 

  • die Einsicht in Schuld und Sünde
  • das Bereuen dessen, was lieblos und zerstörerisch war
  • das Dazu-stehen und Aussprechen der Schuld und Sünde
  • die Suche, wie wieder gutzumachen ist, was zu Schaden kam
  • für das Erleben der verzeihenden und stärkenden Zusage Gottes in der Lossprechung durch den Priester im Namen Gottes und im Namen der Kirche.

Diese Lossprechung geschieht im Wort und im Kreuzzeichen, das über den Menschen gezeichnet wird, der sich mit Gott versöhnen und zum Guten umkehren will.

Im Sakrament der Versöhnung, Umkehr und Busse feiern wir:

Gott sagt mir : ‚Ich bin Dir ein verzeihender Gott, der Deine Schuld-Wunde heilt. Ich lasse Dich nicht aus meiner Liebe fallen!‘ Und ich antworte: ‚Gott, ich will zu meiner Schuld und Sünde stehen, Deine Vergebung annehmen und mit Dir neu anfangen!‘