'Wo Gott den Fest- und Feiertag nicht mehr kennt, hört er auf, Alltag zu sein‘.
Christen kennen Zeiten und Riten, die ihnen besonders heilig sind. ‚Heilig‘ heisst so viel wie: Diese Zeit, dieser Ort,
dieses Zeichen, diese Liturgie, dieser Mensch weist besonders intensiv auf Gott hin. Sie sind uns heilig, weil wir da Gottes Dasein, seine Liebe und Kraft erleben können. Der Prophet Hosea nennt schlicht Gott den Heiligen: ‚Ich bin
der Heilige in deiner Mitte‘ (Hos 11,9). Petrus bekennt in einer Stunde der Krise, dass für ihn Jesus ganz von der Heiligkeit Gottes durchdrungen ist: ‚Du bist der Heilige Gottes‘ (Joh 6,69).
So sind uns Zeiten und Liturgien, die den dreieinen Gott für uns in den Mittelpunkt stellen, heilig. Christlicher Glaube
feiert Gott mit uns.
Christ sein kann ein Mensch nie nur für sich allein. Wer sich an Jesus Christus orientiert, spürt, dass er auch auf seine
Mitmenschen und die ganze Schöpfung verwiesen ist. Christlicher Glaube lässt erfahren: Wir sind eine Gemeinschaft, die aus der Frohbotschaft Gottes für alle lebt.
Zu dieser Spiritualität gehört das gemeinsame Feiern. Es gehören dazu Feste des Glaubens, Feste für Gott mit uns. Es gehört das gemeinsame Loben und Danken dazu. Es gehören auch die gemeinsame Bitte um Entschuldung und das Beten füreinander dazu.
Wir kennen die Weihnachts- und die Osterfestzeit. Wir feiern im Laufe des Kirchenjahres immer wieder Feste, die in
uns das Vertrauen in die Liebe und Treue Gottes wach halten.
Der wöchentliche Feiertag ist der Sonntag. ‚Tag des Herrn‘ heisst er auch. An diesem wöchentlichen Festtag feiern
katholische Pfarreien das Leben, das Leiden und die Auferstehung Jesu zu unserer Befreiung aus Schuld und Tod. Wenn immer möglich geschieht dies am Sonntag in einer Eucharistiefeier. Der Sonntag ist Christen der besonders heilige Tag
der Woche, da alle vier Evangelien überliefern, dass sich Jesus in der Morgenfrühe des ersten Wochentages als der Auferstandene geoffenbart hat. Nach dem siebten Tag, dem Sabbat, beginnt mit dem Sonntag die neue Woche. Es ist der Tag des gemeinsamen Lobes und des Dankes. Daraus schöpfen wir Kraft, Mut, Freude und unsere Spiritualität, um die Werktage, den Alltag zu gestalten und zu bestehen.
Nicht um die Glaubenden zu belasten sagt die katholische Kirchenleitung, dass alle nach Möglichkeit am Sonntag zum Feiern Gottes im Gottesdienst zusammenkommen sollen, nein, sie tut es im Wissen darum, dass das persönliche Christsein verdunstet, wenn wir nicht gemeinsam unsere Freude an Gott, unser Vertrauen auf ihn, unser Miteinander-Christen-sein immer wieder feiern und uns gemeinsam für seine Botschaft öffnen und am Tisch zum Mahl versammeln.
Wir erleben feierliche Eucharistiefeiern mit Chorgesang, Musik, Weihrauch und festlichen liturgischen Gewändern – und ganz schlichte eucharistische Gottesdienste.
Nicht immer sind Feste des Glaubens Eucharistiefeiern. Die katholische Kirche kennt viele verschiedenen Formen, um
Gott in unserer Mitte zu feiern: Wortgottesdienste, Andachten, Meditationen, Wallfahrten, … Es ist gut, wenn eine Pfarrei, eine Gruppe immer wieder sorgsam überlegt: Wie wollen wir den liebevollen Dienst Gottes für uns feiern – am
Sonntag und auch an Werktagen?!
‚Der Sonn- und Feiertag des Christen erschöpft sich nicht in der Mitfeier des Gottesdienstes. Er wird zum eigentlichen
Feiertag, zur heiligen Zeit, wenn der Mensch ausruht und in der Familie und der Gemeinschaft neue Kraft schöpft. Für immer mehr Menschen wird der Sonntag zur einsamsten Zeit der Woche. Daraus erwachsen dem Einzelnen und der Gemeinschaft neue Aufgaben. Der Sonn- und Feiertag wird zur heiligen Zeit im Feiern Gottes und im Dasein mit andern‘. (vgl. Synode 72)