In die Not des Krankseins, in die Not erlebter Grenzen, in die Not der Angst kommt Gott zum Menschen, ‚um ihm - im besten Sinn des Wortes – Gesellschaft zu leisten’.
In Jesus Christus hat Gott sich offenbart als der, der gerade dort die Menschen heimsucht, wo sie bedrängt und in Not sind: ‚Gott selbst sitzt am Krankenbett’. (Kardinal Kurt Koch)
Im Sakrament der Krankensalbung kommt Christus selbst zum kranken Menschen in seiner körperlichen und seelischen Not und will mittragen und abnehmen, was der Kranke zu leiden hat. Kranke sind eingeladen, diesen ‚Krankenbesuch Gottes’ zuzulassen, und die innere und äussere Türe dafür zu öffnen.
Durch das Kommen Gottes in die kranke Existenz des Menschen soll für die Kranken selber und auch für ihre Angehörigen zum Ausdruck kommen: Die Krankheit muss nicht eine ‚Krankheit zum Tod’ werden, sondern jede Krankheit darf eine ‚Krankheit zum Leben’ werden, weil sich der Kranke mit Jesus Christus verbindet, aus dem alles neue Leben hervorgegangen ist.
Damit die Krankensalbung diese verheissungsvolle Ausrichtung darstellt, verwendet der Priester jenes Öl für die Salbung des Kranken, das in der Karwoche, in der Gedächtniswoche an das Leiden Jesu vor Ostern, vom Bischof geweiht wird.
Wenn der Priester mit dem geweihten Salböl den Kranken im Kreuzzeichen salbt, wird auch erfahrbar: Da tut einer dem Kranken etwas Gutes von Gott her und im Namen der ganzen Kirche. Die Krankensalbung möchte den Kranken erleben lassen: Du bist umgeben von der Gemeinschaft der Glaubenden. Du gehörst zu ihnen und sie gehören zu dir. Was auch immer die Krankheit mit dir machen wird – der liebende Gott und seine Kirche werden Dich nicht fallen lassen,
- nicht, wenn du aus dem Kranksein wieder genesen wirst
- nicht, wenn du vom Krankenbett ins Sterben und heim zu Gott gehst.
Oft schenkt das Sakrament der Krankensalbung dem Kranken eine neue innere Haltung dem Kranksein gegenüber. Die körperliche oder seelische Grenzerfahrung bleibt nicht nur Einschränkung, sondern kann zu einer bedeutsamen Lebensphase auf inneren Frieden hin werden.
Die Krankensalbung hat ihre Wurzeln einerseits im Umgang Jesu mit den Kranken. Viel ist davon im NT die Rede. Andrerseits ist der Auftrag Jesu an seine Nachfolge-Gemeinschaft überliefert, die heilende Sorge für die Kranken
wahrzunehmen. Als historisch biblische Grundlage der Praxis der Krankensalbung gelten vor allem Mk 6,13 und Jak 5,14-16.
Zwei Zeichen gehören zur Heilssorge für die Kranken im Sakrament:
- Die Handauflegung mit dem fürbittenden Gebet
- Die Salbung der Stirn und der Hände im Kreuzzeichen mit dem heilenden Öl
In Jak 5,14-16 werden zwei Ausrichtungen aus der ganz ersten Kirchenzeit sichtbar:
- Der von der Kirche Beauftragte soll das Sakrament spenden
- Die rein therapeutische Verwendung des Öls erhält eine geistliche Dimension
Was dieses mit Gott verbindende Ritual zum Ziel hat, wird umschrieben mit den Worten ‚retten’ und ‚aufrichten’. Der kranke Mensch soll den rettenden Gott erfahren, der ihm auch jetzt nahe ist und ihm sagt: ‚Für mich bist du auch
jetzt wertvoll, würdevoll. Ich schliesse Dich in meine Liebe ein‘. Der kranke Mensch soll den aufrichtenden Gott erfahren, der ihm Kraft geben will, ein innerlich selbstbewusster geliebter Mensch zu sein. Seine innere Antwort heisst gleichsam: ‚Gott, ich will mich Dir in meinen Grenzen anvertrauen‘.
Das Sakrament der Krankensalbung feiert die Kirche mit Kranken daheim, im Spital oder auch in gemeinsamen Gottesdiensten in der Kirche.