Sakramente - Was sind sie
älteste Taufkirche der Schweiz: Baptisterium in RIva San Vitale, Tessin

‚Wo wohnt Gott?‘ Mit dieser Frage überraschte
ein Rabbi einige gelehrte Männer, die bei ihm zu Gast waren. Sie lachten über ihn: ‚Wie redet ihr! Ist doch die ganze Welt seiner Herrlichkeit voll.‘ Er aber beantwortete die eigene Frage: ‚Gott wohnt, wo man ihn einlässt.‘

Die sieben Sakramente in der katholischen Glaubenstradition sind Feiern, die sagen: Ja, Gott, Du bist da und ich will
Dich in mein Leben einlassen. Dieter Emeis sagt es so: ‚Jedes Sakrament bringt die bedingungslose Liebe Gottes zum Menschen zum Tragen. Sie kann den Menschen nur erreichen, wo dieser sie an sich geschehen lässt‘.

‚Sakrament‘ ist ein Wort, das wir als Wort nicht mehr verstehen. Wir wissen, wovon wir reden. Aber das Wort ist uns fremd. ‚Sakrament‘ ist die Übersetzung des griechischen ‚mysterion‘ = Einweihung in das Geheimnis des Lebens. Ein Sakrament aus dem Glauben zu feiern bedeutet: Der Mensch wird in das Geheimnis Gottes mit ihm hineingenommen. Das lateinische ‚Sacramentum‘ bezeichnete im Römischen Reich den Fahneneid der Soldaten. Beim Empfang eines Sakramentes bindet sich ein Christ an den Dreieinen Gott. Er verspricht ihm gleichsam: Ich möchte mit Dir und aus Dir leben!

Was bedeuten diese grossen Wort in unserem heutigen christlichen Leben? Jedes Sakrament ist ein heiliges Geschehen zwischen Gott und den Menschen. Was wir in den äusseren Worten und Zeichen feiern, bewirkt das, was ‚im Herzen‘ geschehen darf. So gehören zu jedem der sieben Sakramente die menschliche Begegnung und die symbolische Handlung in Worten, Gesten und Zeichen. Ein Sakrament feiert ein Christ nie für sich allein. Das Feiern der Sakramente soll in die Gemeinschaft der Familie, einer Gruppe, der Pfarrei, des Bistums oder der Weltkirche eingebettet sein. 

Wir glauben, dass Gott uns durch Jesus Christus unser ganzes Leben lang seine Liebe schenkt, damit wir in seinem Geist
leben können. Diese Liebe nimmt uns an und stärkt uns. Sie verzeiht, ermutigt und tröstet uns. Sie sagt zu uns in allen Lebenssituationen ein grosses Ja. Sakramente sind Angebote der umfassenden Liebe Gottes – und wir nehmen diese
Angebote Gottes gerne und dankbar an und feiern sie.

Alle Völker kennen in ihren religiösen Traditionen besondere Riten und Liturgien, um ihre Gottverbundenheit zu feiern.
So zeigt uns auch die ganze jüdisch-christliche Glaubensgeschichte, dass die Gläubigen immer wieder ihr vertrauendes Ja zu Gottes Liebe in besonderen Ritualen gefeiert haben. Der sinnliche Mensch bedarf der sinnlich erlebbaren besonderen Symbole und Feiern, in denen er Gottes Liebe spürt.

Wenn die sieben Sakramente von Jesus Christus ausgehen und auf ihn zurückführbar sind, so heisst das jedoch nicht, dass sich für jedes Sakrament in den Evangelien ein konkreter Auftrag Jesu findet, dieses Geheimnis zu feiern.

Sakramente wollen und können unsern Glauben wecken, stärken, vertiefen und erneuern. Sie wollen und können unsern
Gottesglauben klären. Im sakramentalen Feiern teilen wir unsern Glauben und feiern ihn. 

Das zweite Vatikanische Konzil schreibt dazu: ‚Die Sakramente verleihen Gnade (unverdiente, frei geschenkte Liebe). Ihre Feier befähigt auch die Gläubigen in hohem Mass, diese Gnade mit Ehrfurcht zu empfangen, Gott recht zu verehren und die Liebe zu üben. Es ist darum sehr wichtig, dass die Gläubigen die sakramentalen Zeichen leicht verstehen und
immer wieder zu jenen Sakramenten voll Hingabe hintreten, die eingesetzt sind, um das christliche Leben zu nähren.‘ (Konstitution über die heilige Liturgie)