‚Dann rief Jesus die Zwölf zu sich und gab ihnen die Kraft und die Vollmacht, alle Dämonen auszutreiben und die Kranken gesund zu machen. Er sandte sie aus mit dem Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden und zu heilen. … Die Zwölf machten sich auf den Weg und wanderten von Dorf zu Dorf. Sie verkündeten das Evangelium und heilten überall die Kranken.‘ (Lk 9,1f. 6)
‚Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer mit gutem Ruf und voll Geist und Weisheit. … Sie liessen sie vor die Apostel hintreten, und diese beteten und legten ihnen die Hände auf.‘ (Apg 6,3.6)
Priester und Priesterinnen haben in vielen Religionen im Laufe ihrer Geschichte durch Jahrtausende eine vielfältige
Bedeutung. Sie wehren bis heute Dämonen ab und wirken als Lehrer. Sie sind Ärzte und/oder Therapeuten für die Menschen. Sie sind beauftragt, zwischen Gott und den Menschen zu vermitteln. Oft leisten sie den Versöhnungsdienst mit dem Göttlichen in Form von Opfergottesdiensten. Sie werden als Hüter und Hüterinnen heiliger Orte verstanden. Und immer wurden und werden sie in einem Initiationsritus oder in einer Weihe in ihre Aufgabe eingeführt. Meistens geht eine lange Vorbereitungszeit voraus.
Die frühe Kirche hat in Verständnis von Bischof, Priester und Diakon auch vorchristliche Ansichten und Elemente
aufgenommen. Aussagen der Bibel über das Priester-sein werden nur richtig verstanden, wenn wir sie als Reaktion auf schon vorhandene Priesterbilder sehen. Dazu hat die Kirche Bezeichnungen für die verschiedenen Leitungsdienste
in der Kirche aus den säkularen Leitungsdiensten der Gesellschaft übernommen: Episkopos = Aufseher, Bischof; respyteros = Vorsteher, Priester; Diakonos = Diener im sozialen Zusammenleben, Diakon. Im Laufe der Kirchengeschichte entfalteten sich alle drei Weiheämter, bis hin zum heutigen katholisch kirchlichen Verständnis. Weil die Leitung der Kirche jenen anvertraut sein sollte, die im römischen Reich – und darüber hinaus – in der Gesellschaft als mündig galten und daher ernst genommen wurden, waren zum Sakrament der Weihe bald nur noch Männer zugelassen. Bis heute ist es so. (Die sehr veränderte Zeit schreit nach einer neuen Überlegung und Ordnung über die
Zulassungsbedingungen.)
Im Hebräerbrief wird Jesus Christus als der wahre Hohepriester bezeichnet. Er hat uns durch sein Leben, seinen Tod am Kreuz und in seiner Auferstehung ein für allemal erlöst und befreit. Er ist der Mittler, der Therapeut, der Befreier, der sich selber bis zum Letzten opfert. Deshalb braucht es in der christlichen Glaubenstradition keine Priester, die
die Menschen in ihrem eigenen Namen befreien und von Sünden erlösen. Es braucht Diakone, Priester, Bischöfe, Äbte und Äbtissinnen in den Klöstern, die den Menschen die endgültige Befreiung durch Jesus Christus auf vielfältige Weise
immer wieder verkünden und die Gemeinschaft der Glaubenden leiten und stärken. Besonders auch in den Sakramenten verkünden und feiern sie mit den Mitchristen die Freude und Dankbarkeit für Gottes endgültiges, befreiendes Ja aus Liebe zu uns.
Zur Feier des dreifachen Weihe-Sakramentes gehören Worte, Symbole und Gesten, die in Beziehung stehen zum jeweiligen Leitungsdienst. Sie werden immer innerhalb einer Eucharistiefeier nach der Verkündigung des Evangeliums gefeiert. Spender des Weihesakramentes sind die Bischöfe. Wichtigen Elemente bei der Priesterweihe sind z.B.:
Der Bischof sagt dem Weihekandidaten, dass Gott ihn beruft: ‚Ich erwähle und stärke dich für deinen Dienst für mich und mein Reich unter den Menschen!‘
Der angehende Priester legt seine Hände in die Hände des Bischofs und verspricht vor Gott und der versammelten Gemeinschaft: ‚Ich will mit meinen Fähigkeiten zusammen mit andern Diakonen, Priestern und Bischöfen in der Kirche und als Kirche an Gottes Reich mitbauen‘. Dann legt er sich auf den Boden und die Gottesdienstgemeinde betet für ihn.
Der wichtigste Gestus geschieht im Schweigen: Alle anwesenden Bischöfe und Priester legen ihm die Hände auf den Kopf und beten still für ihn um Gottes Heiligen Geist. Anschliessend betet der Bischof das Weihegebet und nennt dabei die wichtigsten Aufgaben, die ihm von nun an anvertraut sind.
Der Neupriester erhält sein priesterliches Gewand, die Patene (Brotschale) und den Kelch. Sie sind Zeichen, dass er fortan mit den Glaubenden die Sakramente feiern soll. Zum Schluss umarmt der Bischof den Neugeweihten und wünscht ihm den Frieden, um in gutem Miteinander den Leitungsdienst zu erfüllen.