Schritte gegen Kindesmissbrauch

Kindesmissbrauch
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Zur Zeit ist in den Zeitungen und auch im Fernsehen wieder viel die Rede von Kindesmissbrauch durch kirchliche Vertreter – vor allem weil ein Buch dazu mit einem Vorwort des Papstes publiziert wurde.

Es werden Details öffentlich, die einen erschrecken lassen – vor allem deshalb, weil solche Handlungen bzw. Erfahrungen das Leben der Opfer für das ganze Leben massiv belasten. Handlungen und Haltungen, die sich wie ein Schatten auf das Leben dieser jungen Menschen lebt und den sie kaum mehr loswerden.

Etwas in der Berichterstattung der Medien macht mich nachdenklich: die Fokussierung auf die Täter. Natürlich kann ich es verstehen, dass die Entrüstung und Wut der Menschen sich auf diese Menschen richten, eine „gerechte“ Strafe oder gar eine Verwahrung für sie eingefordert wird. Auch kann ich verstehen, dass der Zorn sich gegen Bischöfe und Ordensobere wendet, die jene Personen gedeckt und an einen anderen Ort versetzt haben – Hauptsache, es wird möglichst wenig entdeckt und publik. Eine wahrhaft katastrophale Haltung. Selbstverständlich kann ich auch nachvollziehen, dass nur die Tat verurteilt wird, dem Menschen (sprich Täter) nach Einsicht und Reue (und möglicher Wiedergutmachung?) jedoch die Liebe und Barmherzigkeit nicht entzogen werden soll… 

Mein Anliegen ist es jedoch, das Hauptaugenmerk auf die Opfer und die Prävention zu richten!

Die Opfer verdienen unsere Zuwendung und Solidarität. Sie brauchen unser Verständnis und Einfühlen, unser Aner-kennen ihres Schmerzes und ihrer Verletzung. Wir sollen ihre Trauer und Tränen wahrnehmen und bei ihnen stehen („beistehen“) – nicht im Sinne eines öffentlichen Exhibitionismus, sondern durch ruhige und klar Stellung beziehende Anteilnahme. Zudem ist es wichtig, dass die Opfer nicht in Schmerz und Trauer verharren müssen, sondern geeignete Hilfe und Begleitung erfahren und Schritte in eine neue, befreiende Zukunft tun zu können – hier können wir Mass nehmen an Jesu Praxis im Umgang mit Verletzten und der Heilung Bedürftigen.

Um in Zukunft die Anzahl an Missbrauchsfällen zu reduzieren, gilt es, aktiv für eine konstruktive Prävention zu arbeiten. Das heisst zunächst, in der Erziehung die Selbstwahrnehmung und das Selbstwertgefühl zu stärken, die Kinder und Jugendlichen zu lehren, Grenzen zu beachten und deren Einhalten einzufordern. In den pädagogischen und sozialen Berufen über Bedürfnisse nach Nähe und Distanz zu diskutieren, wertschätzende Haltungen einzuüben, Gewalt- und Machtmissbrauch anzusprechen (am besten in allen menschlichen Bereichen!), sie zu lehren, den eigenen Gefühlen zu trauen und geeignete Hilfe zu holen.Hier werden wieder alte jesuanische Werte und ethische Grundhaltungen eingefordert, diese in Selbstverantwortung – gepaart mit einer gesunden Selbstsorge – zu leben und Schwache zu schützen und zu stützen.

Und wie wäre es, wenn in den nächsten Sonntagsgottesdiensten eine Fürbitte für die Opfer von Missbrauch und für die in Erziehung und sozialen Berufen Tätigen eingebracht wird?!

Zur Zeit werden alle Seelsorger/-innen des Bistums Basel zu einer Weiterbildung zum Thema „Distanz und Nähe in der Pastoral“ verpflichtet – dies sind gute und notwendige Schritte!

Bruno Strassmann


Gebet für kleingemachte Menschen

 Ich bringe dir, Gott, ihre grosse Sehnsuchtnach heilwerden und ganz sein.

Du bist ein Gott des Lebens, ein Gott, der rettet, befreit und heilt.

Schenke Begegnungen, Erfahrungen,die neue Hoffnung geben,die Kraft und Mut wachsen lassen für einen Neuanfang,

und lass sie Menschen finden, die ihren Neuanfang liebevoll begleiten.

Du Gott des Anfangs, segne sie!

Irmlind Rehberger OSF

Irmlind Rehberger OSF in: Benedikta Hintersberger OP, Andrea Kett, Hildegund Keul, Aurelia Spendel OP (Hrsg); Du bist der Atem meines Lebens. Das Frauengebetbuch. Schwabenverlag Ostfildern 2006.


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