Pessach - Sederabend feiern

Sederabend in Romanshorn
Sederabend 2017 in Romanshorn

Was ist ein Sederabend?

Der Sederabend ist der jüdische Feiertag, an dem das Pessach gefeiert wird, an dem sich die Gläubigen an die Rettung aus der Gefangenschaft in Ägypten erinnert (vgl. Ex 12,1-13,16). Seder heisst übersetzt Ordnung, d.h. dieser Festtag wird seit „Urzeiten“ nach einem immer gleichbleibenden Ritual, nach festgelegten Traditionen gefeiert. 

Warum feiern auch Christen den Sederabend?

  • Die Wurzeln des Christentums liegen im Judentum. Wer die jüdische Religion nicht kennt, wird auch Mühe haben, das Christentum in seiner Fülle, Breite und Tiefe zu verstehen. Jesus war ein Jude und hat nach jüdischen Traditionen gelebt. Daher ist es nicht nur hilfreich, sondern notwendig, sich mit dem Judentum und der jüdischen Religion auseinanderzusetzen und sich hinein zu vertiefen. Dabei spielt das Pessach bzw. der Sederabend eine wichtige und zentrale Rolle.
  • Das Pessach hat im Judentum und auch im Leben Jesu eine wesentliche Bedeutung. Für das Juden-tum hat der Sederabend eine grosse identitätsstiftende, sinngebende und religiös-spirituelle Funktion, die zu den Fundamenten der jüdischen Religion (zurück-)führt. Für Jesus und den christlichen Glau-ben ist das „letzte Abendmahl“ ohne Beziehung zum Pessach nicht zu verstehen. Und die Tradition des Abendmahls führte schliesslich zur zentralen Rolle der Eucharistiefeier.
  • Zudem ist das christliche Sakramentenverständnis nicht ohne die (Be-)Deutungen der Rituale der Pessachfeier bzw. des Sederabens in der letzten Tiefe zu verstehen. 

Aus jüdischen und auch christlichen Kreisen wird öfters laut, dass Christen kein jüdisches Fest feiern sollen… - warum dies?

  • Natürlich schwingen hier die jahrhundertelange Diskriminierung und Verfolgung der Juden in der Geschichte des christlichen Abendlandes mit – oft mit der Legitimation oder allenfalls dem Schweigen der christlichen Kirchen – und spielen eine tragische Rolle. In jüdischen Kreisen besteht die Angst, dass Christen etwas vom jüdischen Glauben vereinnahmen wollen, für sich reklamieren bzw. sinn-entstellend in den eigenen Glauben integrieren wollen. Dies wird leider am Umgang mit dem Sederabend durch das sog. „messianische Christentum“ deutlich. Dieses stellt das Judentum als defizitäre Religion dar, deren Gläubige zum wahren Glauben (an Jesus den Christus/Messias) bekehrt werden müssen.
  • Von dieser Haltung hat sich die katholische Kirche in den Dokumenten des 2. Vatikanischen Konzils distanziert (vgl. „Nostra aetate“ Nr. 4), was u.a. den Niederschlag in den neugestalteten Karfreitagsfürbitten gefunden hat. Auch Papst Johannes Paul II. hat sich respektvoll und wertschätzend zu diesem Thema geäussert (z.B. anlässlich seiner Begegnung mit den beiden Oberrabbinern in Jerusalem im Jahr 2000). Leider hat P. Benedikt XVI. 2008 im sog. ausserordentlichen tridentinischen Ritus den konservativen Kreisen wieder gestattet, die problematisch-diskriminierende Fürbitten zu verwenden.
  • Eigentlich sind wir Christen eine „Abspaltung“ vom Judentum und haben somit die gleichen Wurzeln. Darum macht es Sinn, ja ist es unverzichtbar, sich mit diesen Wurzeln zu befassen und sie zu ver-stehen suchen.
  • Wenn ein Sederabend in Wort und Ritual respektvoll und wertschätzend, die jüdischen Traditionen erschliessend und als mit dem christlichen Glauben untrennbar verbunden erfahrend gefeiert wird, so kann und soll nichts dagegen eingewendet werden. Dazu braucht es allerdings eine gute Sensibilität und Klugheit, ein fundiertes Fachwissen sowie ein differenzierendes sprachliches Feingefühl der vermittelnden und anleitenden Personen – wie auch eine offene, respektvolle, demütige und wohlwol-lende Haltung der Teilnehmenden.
  • Die Feier eines solchen Sederabends kann religions- und kulturvermittelnd wirken, da Inhalte und Rituale erklärt und in ihrer Bedeutung und Sinnhaftigkeit für damals und heute erschlossen werden. Gerade im eigenen Feiern und Vollziehen verbinden wir uns mit den Glaubenserfahrungen und -vollzügen unserer Vorfahren und wir werden zu einem Teil der Überlieferungskette. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden in einer vernetzten und verknüpften Einheit gesehen. So können Traditionen in ihrer lebensvermittelnden und sinnstiftenden Dimension erfahren und weiter gegeben werden.
  • Christen können letztlich ihre eigenen Wurzeln sowie die Botschaft Jesu besser verstehen lernen.

Die Fachstelle Kirchliche Erwachsenenbildung und die Fachstelle Katechese bieten dieses Jahr in Dussnang die Feier eines Sederabends an. Details hier

Ein Artikel "Befreiung damals und heute" von Detlef Kissner in ForumKirche hier

Bruno Strassmann

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Zum Jubiläum der KEB

Es liegt jeder öffentlichen Feier das Bewusstsein zu Grunde,
dass alles Gute und Schöne zu dessen Verwirklichung der Mensch berufen ist,
ihm erst recht gelinge,
wenn er nicht mit vereinzelter Kraft seinem Ziele gegenüber stehe,
sondern mit andern zu einem Vereine verbunden,
in dessen Mitte sich alle Lebenstätigkeiten steigern
und alle Einzelkräfte sich stärken, ordnen und veredeln.

Ernst Curtius (1814-1896)