Die italienische Mission Thurgau erhält einen neuen Priester
Über elf Jahre lang prägte Don Giorgio die italienische Mission im Kanton Thurgau. Jetzt geht er in Pension, und sein Weg führt zurück nach Italien. Seine Nachfolge tritt der 37-jährige Tessiner Don Simone an. Der eine blickt in einem gemeinsamen Treffen zurück, der andere nach vorne.
« Non hai una macchina fotografica con te ? » Offensichtlich ist Don Giorgio enttäuscht darüber, zum Abschied nicht mit einer professionellen Kamera ins rechte Licht gerückt zu werden. Nicht, dass er viel Aufhebens um seine Person machen würde, aber etwas mehr technischen Klimbim hätte er wohl erwartet. Das Gespräch nimmt schnell Fahrt auf, gestaltet sich aber als Herausforderung. Für alle drei. Don Simone, der leidlich deutsch spricht, übernimmt die Rolle des Übersetzers. Bis zum Schluss verstehen wir uns gut, im Sinne eines herzlichen Besuchs einer Taverne in Italien, bei dem man sich mit Händen und Füssen zur « Piccata milanese con risotto ai funghi » durchgestikuliert. Auf diese freut sich Don Giorgio, vermissen wird er anderes : « Mir werden die Gipfeli fehlen und auch die schweizerische Präzision. »
Sprachliche Hürde
Als er vor gut elf Jahren in die Ostschweiz kam, war vieles neu. Die erste Hürde sei die deutsche Sprache gewesen, erzählt er. Gleichzeitig traf er auf eine Gemeinschaft, die bereits gewachsen war und auf einem starken Fundament stand. Für ihn sei immer klar gewesen, dass Seelsorge nicht bei null beginne. « Man muss immer von dem ausgehen, was man vorfindet », sagt Don Giorgio. In seiner Zeit im Thurgau habe er versucht, unterschiedliche Lebenswelten zusammenzubringen : die der italienische Migration, die Ortskirche, verschiedene Formen der Frömmigkeit und kulturelle Prägungen. Sein Ziel sei immer gewesen, « aus diesen unterschiedlichen Sichtweisen auf die Dinge eine Einheit zu formen » und den Glauben in den Mittelpunkt zu stellen.
Sein Nachfolger Don Simone ist seit ein paar Wochen in der Ostschweiz : « Ich lerne die Realität hier Schritt für Schritt kennen. » Den langsamen Übergang empfindet er als grossen Vorteil. Es helfe ihm, die Menschen, die Situation und auch das zu verstehen, « was Don Giorgio in den vergangenen Jahren aufgebaut hat ». Niemand behauptet, der Wechsel falle in eine einfache Zeit. « Es gibt weniger Priester, weniger personelle Ressourcen und neue Strukturen », fasst Don Simone ohne Alarmismus zusammen. « Die Kirche steht auch im Thurgau vor grossen Herausforderungen. » Für ihn gehe es nicht zuerst um Organisation, sondern um Haltung. « Kirche ist nicht einfach eine Institution, sie muss glaubwürdig sein », sagt er. Vertrauen aufzubauen, mit den Menschen unterwegs zu sein und neue Wege zu suchen, sei deshalb zentral.
Italienisches Temperament
Im Gespräch wird aber auch deutlich, dass sich der Wechsel nicht nur in kirchlichen Kategorien beschreiben lässt. Da ist auch die Frage, was ein Ort mit einem Menschen macht. Don Giorgio lobt die Landschaft, den Bodensee, die Verlässlichkeit und die Hilfsbereitschaft der Leute. Gleichzeitig beobachtet er mit ruhigem Blick manches kritisch. Das Leben erscheine ihm hier oft « sehr durchgetaktet und kontrolliert ». Es fehle mitunter an Gelassenheit.« Natürlich wächst einem vieles ans Herz », sagt Don Giorgio im Rückblick auf die vergangenen elf Jahre. « Vor allem hoffe ich jedoch, dass etwas von dem Zeugnis des Glaubens an Gott bestehen bleibt, das ich in diesen Jahren zu geben versucht habe. Es geht nicht so sehr darum, den Vorlieben der Menschen nachzugeben, sondern vielmehr darum, sie zum Geschmack an Gott und zum Lebensstil Jesu Christi zu führen – einem Lebensstil, welcher der Denkweise der Welt gegenüber zutiefst unkonventionell ist. Persönlich werden mir Maria Monteleone, viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie viele Menschen fehlen, denen ich begegnet bin und mit denen ich gemeinsam unterwegs war. »
Optimistisch in die Zukunft
Don Simone blickt optimistisch auf die bevorstehende Herausforderung : « Ich möchte den jungen Menschen und den Familien besondere Aufmerksamkeit schenken. Die Jugendlichen sind Zeichen der Hoffnung, und die Familien sind der Ort, an dem der Glaube täglich gelebt und weitergegeben wird. Deshalb möchte ich all das Gute wertschätzen, das in unseren Gemeinschaften bereits vorhanden ist, und mich bemühen, neue Möglichkeiten der Begegnung und Mitwirkung zu schaffen, besonders für die jüngeren Generationen. » Zum Abschluss gibt ihm sein Vorgänger Don Giorgio diesen Tipp mit auf den Weg : « Genau hinschauen, die Realität wahrnehmen und die wirklichen Bedürfnisse der Menschen erkennen. Dann beten und Gott um Hilfe bitten. »
Ralph Weibel, forumKirche, 29.06.2026
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