‚Jesus Christus ist auferstanden, Alleluja‘! ‚Ja, er ist wahrhaft auferstanden, Alleluja‘!

Nach sehr alter Tradition begrüssen Christen der orthodoxen Kirchen einander in der Osterzeit mit diesem Gruss. Die Worte sind uns vertraut. Doch wenn wir genau erklären sollen, was wir damit sagen, bringt uns dies zu Recht ins Stottern. Die Auferstehung Jesu lässt sich nicht erklären und beschreiben wie irgendein historisches Ereignis zu irgendwelcher Zeit der Menschheitsgeschichte. Was damals geschehen ist, sprengt unser menschlich begrenztes Denk- und Sprachvermögen. Mit der Auferweckung Jesu glauben Christen: Gott sprengt die letzte Grenze!

Für die Menschen vor 2000 Jahren war klar: Jemand, der auf die für damals schrecklichste und entwürdigendste Weise durch Kreuzigung hingerichtet wird, ist end-gültig von Gott verworfen. Mit dem Urteil als Gotteslästerer und Staatsfeind starb Jesus von Nazareth zur Zeit des römischen Prokurators Pilatus in Jerusalem diesen Tod. Das wissen wir aus der Bibel und aus den Akten des Geschichtsschreibers Flavius Josephus. 

Für die Jüngerinnen und Jünger Jesu war seine Kreuzigung eine Katastrophe. Ihrer Gemeinschaft fehlte die Mitte. Ihnen fehlte der Halt. Waren Jesus und seine Botschaft gar nicht das, woran sie ihr Vertrauen binden und wonach sie ihr Leben ausrichten wollten? War nicht nur Jesus, sondern war auch seine Botschaft gescheitert? 

Und dann die Erfahrung: Dieser Jesus lebt! Gott hat ihn nicht im Tod belassen! Gerade in diesem vermeintlich ‚von Gott Verfluchten‘ (Dtn 21,23) hat Gott sich über den Tod hinaus als treuer Gott des Lebens erwiesen! 

Die Auferweckung Jesu ist der Dreh- und Angelpunkt christlichen Glaubens, christlicher Hoffnung und christlicher Liebe. 

‚Mit der Auferweckung Jesu  steht und fällt nicht nur die christliche Zukunftshoffnung, sondern das Christentum als solches. Paulus hat dies richtig erkannt:

„Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt. … Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden; und auch die in Christus Entschlafenden sind dann verloren. Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen“ (1 Kor 15,14f.17f)

Eben diese Verankerung in Christus ist das „spezifisch Christliche“, das den Unterschied zu verschiedenen anderen Jenseitskonzepten begründet‘. (Sabine Pemsel-Maier) 

Nirgends im NT gibt es Augenzeugenberichte der Auferweckung Jesu. Was da geschehen ist, durchbricht menschlich fassbare Ereignisse und deren Beweisbarkeit. Es geht um etwas völlig Neues. Die biblischen Ostertexte geben Zeugnis für das, was die Auferweckung Jesu in Menschen bewirkt hat. Es sind Bekenntnisformeln und spätere Erzählungen, die in vielfältigen Bildern den Glauben bezeugen: Jesus Christus lebt! Gott hat uns in ihm seine Liebe und Treue über den Tod als end-gültige Macht erwiesen! Was Gott will, ist in der Auferstehung Jesu offenbar worden! 

Die ältesten Glaubenszeugnisse sind Kurzformeln des Glaubens – so wie der Ostergruss orthodoxer Christen. Das älteste Bekenntnis steht in 1 Thess 4,14: ‚Wenn Jesus – und das ist unser Glaube – gestorben und auferstanden ist …‘. Den im NT bereits reflektierten Kurzformeln des Glaubens gehen ältere voraus. (vgl. 1 Kor 15,3-5) 

Die Auferweckung Jesu wird nie als Rückkehr in das irdische Leben gedeutet. In ihr ist der Tod endgültig überwunden. Jesus ist in eine neue Seinsweise aufgenommen (Auferweckung), eingetreten (Auferstehung): Röm 6,9: ‚Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn‘. 

Die Auferstehungserzählungen am Schluss der vier Evangelien sind später entstanden (70-100 n.Chr.). Sie sind keine Protokolle, sondern Versuche, das menschlich Unfassbare, das in Jesus geschehen ist, zu deuten. Es ist eindrücklich, dass nirgends das ‚leere Grab‘ Menschen zum Glauben führt. Es wird im NT als Symbol verstanden für den Endpunkt der Leidensgeschichte – und als Ausgangspunkt für einen radikalen Neubeginn durch Gott. 

‚Es geht also nicht um das leere Grab, das allein bedeutet noch gar nichts. Es geht um den Neubeginn, den durch Gottes Wirken erfolgten Aufbruch Jesu aus dem Tod zu neuem unfassbarem Leben‘. (Hermann-Josef Frisch) 

Die verschiedenen Begegnungserzählungen (Mt 28,9f.16-20; Mk 16,9-20; Lk 24,13-53; Joh 20,11-29), in denen sich der auferstandene Jesus Christus von einzelnen Menschen oder der Gemeinschaft der Jünger erfahren lässt, sind Zeugnisse aus dem Glauben: Er lebt! Er lebt ganz in Gott! Wer sich einlässt, ihm als Lebendigen, Liebenden und Befreienden zu begegnen, findet zum Glauben an ihn. Das verändert unser Leben aus Angst in Hoffnung, aus Resignation in Mut, aus Sinnlosigkeit in Sinn, aus Leere in Fülle. 

‚Die Texte schildern nicht als historische Berichte ein geschichtlich fassbares Geschehen, sondern sind eine grundsätzlich andere Textsorte. Sie geben Glaubenserfahrungen wieder und wollen zum Glauben ermuntern. Die Hörer der Evangelien sollen zu einer Lebenswende kommen wie Maria von Magdala, wie Petrus und die andern Jüngerinnen und Jünger. Sie sollen einstimmen in das Bekenntnis der Jünger: „Jesus Christus ist der Herr“.‘ (Hermann-Josef Frisch)