Bereits am 12.12.1954 beschloss die Kirchgemeinde den Ankauf eines Grundstückes als Bauplatz für die künftige katholische Kirche. Der Bauplatz umfasst 88,4 Aren in bester Lage auf dem Storenberg, östlich des Friedhofs.

Im September 1957 wurde auf Initiative des Pfarrers Kaiser der Kirchenbauverein gegründet.

Die Kirchgemeinde-Versammlung vom 13.5.1962 beschloss, mit 60 Ja gegen 22 Nein bei 3 Leer-Stimmen, dem Bau einer eigenen Kirche grundsätzlich zuzustimmen, aber ohne Festlegung des Zeitpunktes des Baubeginns. Zugleich wurde durch die Kirchgemeinde-Versamm lung eine Kirchenbaukommission ins Leben gerufen. Eine frühere Kirchgemeinde-Versammlung hatte der Kirchenvorsteherschaft die Kompetenz erteilt, mit der protestantischen Kirchenvorsteherschaft über die Frage der Auflösung des paritätischen Verhältnisses der Kirche zu verhandeln.

Die Kirchgemeinde vom 22.1.1966 beschloss mit 73 Ja gegen 27 Nein, dem gemäss den Berechnungen der Architekten Bächtold und Baum gartner, Rorschach, vom 22.10.1965 mit einem voraussichtlichen Kostenaufwand von Fr. 1'460'000.- auf dem Storenberg zu erstellenden Bau einer Kirche nach vorgelegtem Plan und Modell zuzustimmen. Die Versammlung verlief ruhig, objektiv und sachlich. Damit war eine erste Etappe in den 10-jährigen Bemühungen um den Bau einer eige nen Kirche glücklich abgeschlossen. Deo gratias! Gott segne den weiteren Verlauf des Kirchenbaus und führe ihn glücklich zum Ziel.

Am 15.8.1966, dem Fest Maria Himmelfahrt, nahm Pfarrer Kaiser nach dem Festgottesdienst unter grosser Anteilnahme des Volkes den ersten feierlichen Spatenstich unter Donner, Blitz und strömendem Regen auf dem Storenberg vor.

Im folgenden Frühling, am Sonntag, 5.3.1967, nachmittags um zwei Uhr, nahm der Bischof von Basel, Franciscus von Streng, bei strahlendem Frühlingswetter die feierliche Grundsteinlegung der neuen Marienkirche vor.

Am 14 4.1967, um 16 Uhr, wurden in der Glockengiesserei Eschmann in Rickenbach TG fünf neue Glocken für unsere Kirche gegossen.

Am 23.9.1967 wurden die neuen Glocken bei strahlendem Sonnenschein um 11.30 Uhr unter Beteiligung der gesamten Dorfbevölkerung begeistert empfangen. Tags darauf, nachmittags um zwei Uhr, wurden sie durch den bischöflichen Commissar des Kantons Thurgau, Domherr Johann Haag, Frauenfeld, feierlich geweiht und um neun Uhr des 25.9. durch die Schüler in den Turm aufgezogen.

Die feierliche Weihe der neuen Kirche zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria, der heiligen Verena und des heiligen Bruder Klaus durch den Bischof des Bistums Basel, H. H. Dr. Anton Hänggi, erfolgte bei strahlendem Sonnenschein am 5.5.1968.

Am 26.11.1972 konnte endlich auch die neue Orgel, bestehend aus 14 klingenden Registern, auf Haupt-, Ober- und Pedalwerk spielbar, eingeweiht werden.

Im Jahre 1978 wurde die Kirche mit einer Lautsprecheranlage ausgestattet.

Eine Gesamtrenovation der Kirche, insbesondere der Einbau einer hölzernen Kirchendecke, erfolgte 1991/92.

Die Kirche aus der Sicht der Erbauer

Die erste Forderung an den Kirchenbau ist wohl jene der zeitgemässen Liturgie. Eine sinnvolle Anordnung und Gestaltung der liturgischen Orte sowie eine konzentrierte Scharung der Gläubigen um den Altar sind Voraussetzungen für eine aktive Teilnahme am Messopfer. Der Raum soll der versammelten Gemeinde ein Gefühl der Geborgenheit vermitteln, Geborgenheit in der Hand des Schöpfers. Die Raumbildenden Mauerschalen sollen sich wie schützende Hände um das versammelte Volk und um die gottesdienstliche Handlung legen. Die Geborgenheit wird noch gesteigert durch den weitgehend indirekten Lichteinfall. Der Raum wird nicht in der Achse betreten, sondern seitlich hinten, vorbei am Taufraum, der durch die Planierung unter dem Glockenturm eine besondere Auszeichnung erfährt. Im Kreuzungspunkt zwischen der Eingangsachse und der zum Altar führenden Kirchenachse liegt in der Rückwand die Muttergottesnische. Hier fand die aus der paritätischen Kirche übersiedelte schöne Barockmadonna einen würdigen Ort. So geht die Raumbewegung vom Portal über die Mariennische zum Altar.

Anton Egloff aus Luzern schuf die ausdrucksvollen Bildhauerarbeiten von Altar, Ambo, Sakramentsaltar, Priestersitz und Taufstein. Kunst maler Peter Bolliger, Luzern, gestaltete die beiden Glasmalereien im Taufraum und der Muttergottesnische, die durch den Verzicht auf jede gegenständliche Darstellung sich darauf beschränken, diesen Orten entsprechende Stimmungen auszudrücken. Die Apostelleuchter sowie den Kerzenständer zur Muttergottesnische entwarf ebenfalls Bildhauer Egloff, während das kraftvolle Portal ein Gemeinschaftswerk der beiden Künstler darstellt.

Die Lage aus ideeller Sicht

Das Gotteshaus liegt südöstlich des Dorfes, auf dem Storenberg, einem sanften Hügel am Rande des Thurtales. Es strahlt Ruhe und Frieden in die Landschaft aus. Wohlwollend schaut es auf das Dorf und dessen Bewohner hinab. Freundlich grüssend schaut die Kirche hinüber zu ihrer Mutter, der St.Verena-Kirche, die während rund 450 Jahren den evangelischen und katholischen Christen der Gemeinde im paritätischen Simultanverhältnis als Gotteshaus diente. Schliesslich schaut das Gotteshaus hoffnungweckend hinab auf die letzten Ruhestätten jener Gemeindeglieder, die den irdischen Pilgerweg beendet, im Frieden Gottes ruhen und der Auferstehung für das ewige Leben entgegenharren.

Aus theologischer Sicht

Das Eingangsportal

Auf dem Vorplatz der Kirche fällt das wuchtige, aus verzinktem Eisenblech geschmiedete und künstlerisch gestaltete Eingangs-Portal auf. Es ist vorherrschend azurblau gestrichen. Blau, die Farbe des Himmels, jenes Inbegriffes für uns, wo Gott wohnt und regiert, weist den Besucher hin: Hier betrittst Du jenes Haus, wo Gott auf geheimnisvolle Weise wohnt und uns begegnet.

Aus dem Blau des Portals ragt der in Grün gehaltene Türgriff hervor. Grün, Sinnbild für Hoffnung, will andeuten: Wo der Mensch an Gottes Macht und Güte glaubt, wächst Vertrauen auf Gott, unseren Vater und starken Helfer im Himmel.

Am Portal ist auch ein eigenwillig verbogenes, in der Mitte aufgerissenes, weisses Kreuz zu sehen. Es erinnert uns an das Wort Jesu: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben habe (Joh. 3.16).

Der Kirchenraum

Nach dem Betreten der Kirche nimmt einen der weite, rundförmige Raum sofort wohlig auf. Der Rundbau ist aus fünf verschiedenartigen Mauerschalen zusammengefügt, die untereinander durch vom Boden bis zur Decke reichende Fensterbänder zu einem einheitlichen Ganzen verbunden sind. Dies will andeuten: Auch wenn die Gottesdienstgemeinde sich aus verschiedenen menschlichen Elementen zusammensetzt aus Frauen und Männern, aus Jung und Alt, aus Reich und Arm, aus Hoch und Niedrig, aus verschiedener Herkunft, Brache und Meinung so bilden doch alle vor Gott eine Gemeinschaft, eine Familie von Brüdern und Schwestern. Der Gedanke des Zusammengehörens soll besonders bei der Gottesdienstfeier zum Ausdruck kommen. Er soll aber auch immer neu ausstrahlen vom Gotteshaus in den Alltag, wo sich die Glieder der Gemeinde durch den einen Gott und Herrn Jesus Christus verbunden fühlen und solidarisch verpflichtet wissen sollen.

Die Kirchendecke

Sie ist Holzkonstruktion und wurde anlässlich der Renovation der Kirche im Jahre 1991/92 anstelle einer flach gestalteten Gipsdecke eingebaut. Die strahlenförmigen Gebilde, die an der Decke über dem Altarraum in einem Kreis zusammenlaufen und von dort aus wieder auslaufen, wollen andeuten: Die Gläubigen sollen sich immer wieder um den Altar einfinden, sich zu einer Familie versammeln. Denn was dort am Altar vollzogen wird, ist die Mitte, der Höhepunkt und die Quelle allen christlichen Lebens. In der Eucharistiefeier begegnen wir Gott durch Jesus Christus. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Von ihm erfahren wir immer wieder neue Kraft und Freude, Licht und starken Mut, um in den Stunden der Dunkelheit und der Belastungen unseres Lebens besser durchzuhalten.

Die Taufkapelle mit dem Taufstein

Links des Eingangs der Kirche, in der Mauerschale des Glockenturms, befindet sich die Taufkapelle. Sie ist Sinnvollerweise unmittelbar in der Nähe des Einganges platziert. Durch das heilige Sakrament der Taufe, werden wir in die Gemeinschaft des dreieinigen Gottes aufgenommen, ins Volk Gottes, in die Kirche eingegliedert. Jesus Christus, der Begründer des neutestamentlichen Volkes Gottes, hat die Taufe als Wiedergeburt aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste bezeichnet und sie als unerlässliche Bedingung für den Eintritt in das Reich Gottes erklärt (vgl. Joh. 3.5)

Das innere geistliche Geschehen bei der Taufe ist angedeutet durch das in Bronze gegossene Bildnis auf dem Verschlussdeckel des Taufwassergefässes, das in den rundförmigen Taufstein eingelassen ist. Das Bildnis erinnert an eine sich öffnende Knospe, aus der neues Leben hervorkommt, und weist hin auf das neue, übernatürliche Leben, das der Täufling empfängt, und so neugeboren und ein Kind Gottes wird. Das neue göttliche Leben ist auch durch das Taufwasser im Taufwassergefäss angedeutet. Wasser bedeutet so viel wie Leben; ohne Wasser können wir nicht leben. Dass das neue Leben, das der Täufling in der Taufe bekommt, von Gott stammt, ist durch das dreifarbige Glasfenster in der Stirnwand der Taufkapelle versinnbildet. Es weist hin auf den dreifachen und doch wieder einzigen Strom göttlichen Lebens: des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, der bei der Taufet in die Seele des Täuflings einströmt.

Das Glasfenster des heiligen Niklaus von Flüe

Der Kapuziner-Bruder Roberto aus dem Tessiner Kloster Bigorio hatte 1991 das Bruderklaus-Bild neben denn Taufstein entworfen. Er wollte mit seinem Werk die wichtigsten Aspekte aus dem Leben des Bruder Klaus darstellen, die innige Einheit mit Gott und das asketische, bussfertige Leben: ... Zuoberst des Fensters setzte ich die Vision der Dreifaltigkeit mit farblichen' und förmlichem Hinweis, beinahe kosmisch, welche die starke Heiligenfigur in ihrer Struktur und mit der geöffneten Hand nach oben zeigend, berührt. Der Rosenkranz ist Zeichen der Stetigkeit und des Gebetes

Der Stein zu seinen Füssen erzählt die symbolischen Vorstellungen seiner Visionen. Auf der Basis linden wir die Erhebung des eucharistischen Brotes, das die einzige Nahrung des Heiligen während langer Zeit seines Lebens war.... Ich wählte die leuchtenden, warnen Farben für die spirituellen Hinweise, Grau- und Violett-Töne für die wirkliche Situation der Trennung und Einfachheit des Heiligen nach dessen Wahl der Einsamkeit...

Der Weihwasserstein

Nach dem Betreten der Kirche schreitet man unwillkürlich am Weih wasserstein vorbei. Er lädt uns ein, kurz zu bedenken, dass wir einmal getauft und dadurch Kinder, Söhne und Töchter Gottes geworden sind, dass wir uns im Hause des Vaters befinden, dass wir als schwache, sündbeladene Menschen auf sein Erbarmen und seinen Segen angewiesen sind. Dadurch, dass wir einen Finger ins geweihte Wasser tauchen und uns damit glaubend und vertrauend im Namen des drei-einigen Gottes bekreuzigen, bitten wir den Herrn, dass er uns von aller Sünde und Schuld reinige, dass er uns heilige und segne.

Der Ambo und die Osterkerze

Vorne links, dem Chorraum vorgelagert, steht der Ambo, ein wuchti ger, steinerner Lesepult. Von hier aus wird der Wortgottesdienst gehal ten, welcher der Eucharistiefeier vorausgeht. Im Wortgottesdienst wird uns das Wort Gottes verkündet. Darum wird der Ambo auch Tisch des Wortes Gottes genannt.

Neben dem Ambo steht ein handgeschmiedeter, eiserner Leuchter mit der Osterkerze des vorangegangenen Jahres und sagt uns: Das Wort Gottes leuchtet wie ein Licht ins Dunkel unseres Lebens, weist uns den richtigen Weg durchs Leben, spendet Trost und Wärme und richtet uns auf

Der Altar

Der Tisch, um den sich die Gemeinde jeden Sonntag zu einer Gottes familie einfindet, um mit dem Priester das heilige Opfermahl Jesu zu feiern, steht in der Mitte des Chorraumes. Jesus Christus, der lebt, kommt beim heiligen Opfermahl im Brot des Lebens zu seinen Gläubi gen, um sie für den Pilgerweg des Lebens zu nähren und zu stärken.

Der Altar selber ist aus drei steinernen Quadern zu einem einzigen rechteckigen Stein in Tischform zusammengefügt und versinnbildet zunächst den dreieinigen Gott, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist. Drei göttliche Personen sind es; diese bilden den einen, einzigen Gott.

Der steinerne Altarblock weist aber auch symbolisch auf Jesus Christus hin, der von sich gesagt hat: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden (Mt. 21.42). Jesus Christus ist das Felsenfundament seiner Gläubigen, seiner Kirche.

Der auffällige Spalt in der rechten Hälfte des Altares erinnert zunächst an jene Begebenheit, da das Volk Israel die Wüste Sinai durchwanderte und es ihm eines Tages an Wasser fehlte. Auf den Befehl Gottes schlug Moses zweimal mit seinem Stab gegen einen Felsen. Der Fels öffnete sich, und Wasser in Fülle floss heraus. Gestärkt durch das lebenspendende Wasser zog das Volk weiter (Num. 20.1–12). Im heiligen Opfermahl, das auf dem Altar gefeiert wird, öffnet sich Jesus Christus und schenkt uns seinen Leib und sein Blut in der heiligen Kommunion zur Speise und zum Trank, damit wir auf der Wüstenwande rung des Lebens nicht verhungern und verdursten, sondern neue Lebenskraft erhalten, ausharren und weiterwandern, bis wir ans Ziel, ins Gelobte Land, in die ewige Heimat gelangen.

Der Sakramentsaltar mit Tabernakel und Ewigem Licht

Der Tabernakel , zu deutsch Zelt, ist die Wohnung Gottes unter uns Menschen. In ihm wird aus doppeltem Grund das eucharistische Brot, das Brot unseres Lebens — der Leib Christi — aufbewahrt: Einerseits kann damit kranken und betagten Gemeindegliedern jederzeit das Brot des Lebens gebracht werden, andererseits können sich die Gläubigen jederzeit während des Tages im Hause Gottes einfinden, um mit dem lebendigen, verborgenen Gott ihre Freuden und Leiden, ihre Sorgen und Probleme zu besprechen und um bei ihm Rat und Kraft für die Bewältigung ihrer Aufgaben zu holen.

Auf der Tabernakeltüre ist fliessendes Wasser durch einen Bronzeguss dargestellt. Dies erinnert an die Begegnung Jesu mit einer samaritischen Frau am Jakobsbrunnen (Joh. 4.1—42), wo Jesus zu jener Frau sprach: Wenn Du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu Dir spricht: Gib mir zu trinken!, dann hättest Du ihn gebeten, und er hätte Dir lebendiges Wasser gegeben (Joh. 4.10) und: Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben. Vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt (Joh. 4.14).

So weist das Bildnis Fliessendes Wasser auf Jesus Christus hin, den Quell des lebendigen Wassers, der im Tabernakel unter dem Zeichen des Lebensbrotes weilt. Wer aufrichtigen Herzens zu ihm kommt, dem fliesst Lebenskraft von Jesus zu. Das Ewige Licht beim Tabernakel ist ein Zeichen: Hier wohnt Jesus Christus, der sich als das Licht der Welt bezeichnet hat. Er bringt Licht in die Finsternisse unseres Lebens, wenn wir uns ihm zuwenden.

Der Priestersitz und die Ministrantensitzbank

Diese Gruppe befindet sich links vorne an der Chorwand. Dort halten sich die Ministranten während des Wortgottesdienstes und der überragend steht im Chorraum ein eisernes Kreuz mit holzge schnitzter, barocker Christusfigur. Die Figur hing früher an einem hölzernen Kreuz, ist ein altes Erbgut der Pfarrei und stand ursprünglich vermutlich am Friedhofeingang bei der ehemals paritätischen Kirche. Eindrücklich lenkt es unsere Gedanken auf Jesus Christus, der aus Liebe zu uns Menschen freiwillig den Kreuzestod auf sich nahm, damit wir einmal aus dem Tod zum ewigen Leben eingehen. – Das Kreuz mit Priester während den Lesungen aus den heiligen Schriften durch Laien auf. Vom Priestersitz aus kann der Priester das liturgische Geschehen überschauen und leiten. Beachtenswert ist, dass alle Orte liturgischen Geschehens aus demselben Material, aus Mägenwiler Kalksandstein, gehauen sind und so die Einheit und Verbundenheit allen gottesdienstlichen Geschehens in der Kirche versinnbilden.

Die Kreuzgruppe und die Feuchtmayr-Figuren

Alles der Christusfigur weist auch auf das Geschehen hin, das sich in ge heimnisvoller Weise bei der Opfermahlfeier am Altar vollzieht, auf das Sühneleiden und Sterben und die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. So wird das Kreuz zum Zeichen des Heiles und des Segens. Die Figuren unter dem Kreuz, links die Muttergottes Maria als Schmerzensmutter und rechts Maria Magdalena darstellend, zählen zu den Meisterwerken des im Bodenseeraum berühmten Bildhauers Josef Anton Feuchtmayr (1696—1770). Beide Figuren wurden seinerzeit eigens im Auftrag des Bischofs von Konstanz für die ihm unterstehen der Pfarrei Müllheim geschaffen und ihr geschenkt. 1970 wurden sie restauriert, indem die alte, ursprüngliche Fassung wieder hervorgeholt wurde. Maria, die Mutter Jesu, und Maria von Magdala, die einstige Sünderin – so berichtet uns der Apostel Johannes (Joh. 19.25) – ge hörten zu den wenigen Personen, die bei Jesus, ihrem Herrn, in dessen Sterbensstunde ausharrten und ihm Beistand leisteten. Dies beweist, dass Frauen im Dienst an Jesus und seinem Erlösungswerk Beachtens wertes vollbrachten, dass dieser Dienst von Jesus dankend angenom men und anerkannt wurde, und dass Jesus den Frauen die ihnen spezifischen Aufgaben im Dienst am Reich Gottes zugedacht hat.

Die Muttergottes-Nische

Sie schmiegt sich dezent in die rückwärtige Mauerschale der Kirche ein. Die barocke Madonnenfigur mit Jesuskind ist ein altes Erbstück der Pfarrei und befand sich in der ehemals paritätischen Kirche an der linken Seitenwand des Chorraumes. Gütig und auch ernst schaut sie in den Gottesdienstraum. Wer zum Gottesdienst kommt, schreitet an ihr vorbei. Gleichzeitig gilt es zu bedenken: Sie ist die von Gott Erwählte und mit hohen Gnadenvorzügen ausgestattet. Sie, Maria, die heilige Jungfrau aus Nazareth, wurde von Gott auserkoren, Mutter des Sohnes Gottes zu werden, um uns den Erlöser, den Heiland, zu schenken. Sie hat uns den Gottmenschen Jesus Christus geboren. Darum nennen wir sie Mutter des Herrn, Mutter Gottes Maria. Wir ehren sie nach dem Grundsatz: Ehre, wem Ehre gebührt. Weil Maria als Mutter des Herrn in enger Beziehung zu Jesus Christus, unserem Herrn steht, hoffen wir auch, dass sie bei ihm immer wieder ein gutes Wort für uns einlegt, wenn wir sie vertrauend darum bitten, und wenn wir nach ihrer geistlichen Einstellung leben: Siehe, ich bin eine Dienerin des Herrn. Das in Blau gehaltene Glasfenster rechts der Madonnenfigur will ein Hinweis sein: Maria ist gleichsam das Tor, durch das der Himmel zu uns gekommen ist. Durch sie ist der Sohn Gottes in Gestalt erschienen zu uns Menschen in diese Welt eingetreten. Sie ist bildlich gesprochen das Tor, das zum Himmel führt. Wir dürfen hoffen, dass sie uns einmal an ihre Hand nimmt und uns zum Herrn in dessen Himmelreich führt.