Von der ersten Zeugin zur Sünderin

Maria Magdalena – dargestellt von Rooney Mara – steht im Mittelpunkt des gleichnamigen Films (vgl. Event-Hinweis und Agenda). Bild: Universal Pictures International

Sie ist jung und hübsch, oft wenig bekleidet und verführerisch. Mal Prostituierte, mal reuige Sünderin, mal Geliebte Jesu. Doch wie kam Maria von Magdala zu ihrem zweifelhaften Image? Was wissen wir von ihr aus den Evangelien?

Interview mit Andrea Taschl-Erber, Bibelwissenschaftlerin und Maria-Magdalena-Expertin, von Detlef Kissner (forumKirche).

Wer war Maria Magdalena? Was erzählen die Evangelien über diese Frau?
Wir wissen aus den Evangelien nicht viel über die historische Person. Die Evangelien stellen vielmehr ihre zentrale Rolle in den Vordergrund. Dass sie nämlich die Kontinuität wahrt über die Kreuzigung Jesu hinaus in die Zeit der entstehenden Gemeinden.

Wie stand sie zu Jesus?
Darüber erhalten wir nur spärliche Informationen. Im ältesten Evangelium, dem Markus-Evangelium, wird sie das erste Mal bei der Kreuzigung erwähnt. In diesem Zusammenhang wird erklärt, wer sie ist, und zwar wird die Information nachgetragen, dass sie Jesus schon "in Galiläa" – also von Anfang an – nachgefolgt ist, bis nach Jerusalem. Sie muss also zum engeren Kreis der Jünger und Jüngerinnen Jesu gehört haben.

In den Evangelien geht es oft um die Männer, die Jesus nachfolgen. Aber in den Erzählungen über die Auferstehung Jesu stehen die Frauen, allen voran Maria Magdalena, an erster Stelle. Wie kommt das?
Aus historischer Sicht ist die Frage schwierig, was tatsächlich am Ostermorgen passiert ist. Was wir aber mit ziemlicher Sicherheit sehen können, ist, dass die Frauen in den Ostererzählungen in den Vordergrund gerückt werden und dies etwas mit ihrer Rolle am Anfang der Gemeinschaft zu tun hat, die sich nach Jesu Tod in seinem Namen versammelte. In einem Moment, in dem die Männer ausfallen – sie fliehen oder verleugnen Jesus nach seiner Festnahme –, gewähren die Frauen, allen voran Maria Magdalena, die Kontinuität. Hier scheint ihre historische Rolle durchzuscheinen. Die Frauen haben mit ihren Sehenserfahrungen – wie immer man diese deuten mag – den Grundstein dafür gelegt, dass die Sache Jesu weitergehen kann. Sie bekommen von einem Engel (Mt, Mk), bzw. von Jesus selber (Mt, Joh) den Auftrag zur Verkündigung und führen diesen Auftrag aus. So geht die Geschichte dann weiter.

Was für ein Interesse hätte man, ihre Zeugenschaft zu erfinden und sich so möglicher Polemik auszusetzen?

Dass Frauen gegen den Trend der Zeit als Zeuginnen angeführt werden, spricht für die Zuverlässigkeit dieser Überlieferung. Wenn Maria von Magdala so konstant in vier Evangelien genannt wird, zeigt das, dass sie eine Autorität besessen hat, dass man an ihrer Person nicht vorbei kam. Sie muss eine wichtige Person in dieser ersten Zeit gewesen sein.

MMag. Dr. Andrea Taschl-Erber ist als Universitätsassistentin am Institut für Alttestamentliche Bibelwissenschaft der Universität Graz tätig.

Das vollständige Interview lesen Sie im Magazin forumKirche Nr. 7.2018, S. 2-4.

Veranstaltungshinweis: "Maria Magdalena" am 7. April 2018 im Kino Roxy, Romanshorn

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