Auf der Turmspitze ein Halbmond?

Kreuzigungsszene vor See- und Stadtlandschaft (Ausschnitt aus dem Feldbacher Altar, nach 1453, Historisches Museum Thurgau, Frauenfeld) Bild: © 2018 NZZ Libro und Kanton Thurgau
Jetzt ist der Abschlussband der Reihe "Der Thurgau im späten Mittelalter" erschienen: "Umbruch am Bodensee – Vom Konstanzer Konzil zur Reformation". Gerade auch viele spannende und lustige Geschichten von historischen Personen bringen Licht in das Spätmittelalter der Bodensee-Region.
Ebenso präsentiert der Geschichtsband  Forschungsergebnisse sowie eine Bestandsaufnahmen von Thurgauer Klöstern und Kirchen. Das Buch ist reich bebildert. Durch seine einfache verständliche Sprache lädt es zum Stöbern, Verweilen und zur fesselnden Vertiefung ein.

Konzil als Auftakt
Während des Konzils von 1414 bis 1418 war Konstanz lebendig wie ein Bienenstock. Zigtausende Besucher aus ganz Europa wurden von Händlern, Handwerkern und der Landbevölkerung versorgt. Als die Masse ging, verarmte die Hauptstadt. 1460 eroberten die Eidgenossen den Thurgau. Sie hatten aber wenig Macht. Im Thurgau behielten die Klöster, der Bischof von Konstanz und die meist habsburgisch gesinnten Adeligen ihre Besitztümer, Macht und Gerichtsherrschaft bis 1798. Das Landgericht des Thurgaus blieb bis 1499 in Konstanz. Es kam erst nach dem Schwabenkrieg nach Frauenfeld, das seit 1460 eigentlich die Hauptstadt des Untertanengebiets war.

Kirchenbau-Boom im Thurgau
Viele Thurgauer Bauern kamen zu einem gewissen Reichtum. Die Landbevölkerung finanzierte den Bau und die Verschönerung von Kirchen, verlangte aber gleichzeitig eine bessere Seelsorge vor Ort. Sie stellte Forderungen an den Bischof von Konstanz, der ihr oberster Ansprechpartner in kirchlichen Belangen war. "Es geht um die Kirche im Dorf", betont die Herausgeberin Silvia Volkart, "eine bislang wenig beachtete, wirkungsmächtige Bewegung in der ländlichen Bevölkerung im Vorfeld der Reformation. Um 1500 hatte der Wunsch nach Selbstbestimmung in kirchlichen Fragen die meisten der rund 200 Kirchgemeinden im Thurgau erfasst." Das Thema wird im Band historisch und architekturhistorisch erstmals beleuchtet.

Das Rätsel von Konstanz am Bosporus
Sensationelles gibt es auf dem sogenannten "Feldbacher Altar", der im Historischen Museum Thurgau im Schloss Frauenfeld ausgestellt ist. Dominik Gügel entdeckte in der Landschaft der Kreuzigungsszene Kurioses: Der Maler siedelte die Stadt Konstanz am Bosporus an. Die Schiffe auf dem vermeintlichen Bodensee segeln unter osmanischer Flagge mit rotem Halbmond. Anstatt eines Kreuzes trägt der gotische Turm ebenfalls einen Halbmond. Ein Muezzin ruft zum Gebet. Welche Botschaft will der Maler oder Stifter vermitteln? "Die Auflösung des Rätsels ist im Buch zu lesen", mehr verrät Silvia Volkart nicht und macht damit Lust darauf, das neue Buch selber zu lesen.

Judith Keller, forumKirche/red.

Den vollständigen Bericht "Auf der Turmspitze ein Halbmond?" lesen Sie im Pfarreiblatt forumKirche Nr. 8-2108.

Der Thurgau im späten Mittelalter. Doppelband 3/4: Umbruch am Bodensee.
Autor: Silvia Volkart (Hrsg.) - Verlag: NZZ libro
ISBN 978-3-03810-312-7

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