‚Die Bibel, die die meisten Menschen heute noch lesen, sind ihre Mitmenschen‘. Dieser Satz erinnert stark an das Wort Jesu: ‚Nicht wer Herr, Herr zu mir sagt, … sondern wer Gottes Willen erfüllt …‘ (Mt 7,21)

Christen messen einander und werden auch von Menschen anderer Religionen daran gemessen, wie sie ihr eigenes und das soziale Leben gestalten: Welche ethische Grundhaltung prägt, was sie tun?

Mit christlicher Ethik (oder Moral) ist das Nachfragen nach gutem und gerechtem Handeln gemeint. Für diese Ethik ist das Wort der Heiligen Schrift grundlegende Quelle der Motivation zum Handeln. Im Zentrum steht die Frage: Was hat Gott mit dieser Welt vor?

Es steht Christen und allen christlichen Kirchen gut an einzugestehen, dass ihr Handeln bei weitem nicht immer Zeugnis gegeben hat für Gott, für Jesus aus Nazareth und zur ganzen Schöpfung. Oft haben Christen sich aus ihrem Glauben heraus nicht auf die Seite des Lebens gestellt und dafür Partei ergriffen. Es gilt, dafür ehrlich um Entschuldigung zu bitten und Wiedergutmachung zu leisten, soweit dies möglich ist.

Unsere ethische - oder auch moralische – Verantwortung orientiert sich an der Frage: Wie hat Jesus gehandelt? Er hat nicht einfach alles gut gemacht, alle und alles aus aller Not und Ungerechtigkeit erlöst. Das hat er auch von seinen Jüngern und Jüngerinnen nie erwartet. Deutlich ist überliefert, dass Jesus das Zusammenleben auf dieser Erde realistisch sah: ‚Arme habt ihr immer unter euch‘. (Mk 14,7)

Damit ist jedoch kein Christ dispensiert, sich mit Kopf und Herz, Händen und Füssen einzumischen und einzusetzen, damit Friede, Gerechtigkeit und Würde für alle Menschen und jede Kreatur wachsen können.

Ethisch gut handeln Christen dann, wenn sie im Tun die drei folgenden Schritte gehen:

  1. Hinschauen: Was und wie ist die Not, die Herausforderung, die Situation, das Anliegen oder die Frage?
    Dies gilt im persönlichen Leben bis hin in die weltweiten politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge. Was ist Sache!?
  2. Prüfen und Urteilen im Licht des Evangeliums. Nachfragen ist angesagt: Wie hat sich Jesus in solchen Nöten, Herausforderungen, Situationen und Anliegen verhalten?
    Seine Erfahrungswelt war anders als die heutige. Er war nicht mit ethischer Verantwortung im Strassenverkehr, mit der Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs, mit dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen  konfrontiert. Er musste sich nicht  zurechtfinden mit biochemischen Entwicklungen für Tiere und Menschen, mit dem Abholzen der Regenwälder oder mit Atomkraftwerken. Im Evangelium lassen sich keine Eins-zu-Eins-Entscheidungshilfen finden. Doch die Grundhaltung Jesu ist auch heute klar: Entscheidend ist, was dem Leben dient, wie Gott es meint!
  3. Handeln aus persönlich verantwortetem Gewissensentscheid.
    Hinter ethisch richtigem oder falschem, gutem oder bösem Handeln steht dann der persönliche Entscheid des einzelnen Menschen oder einer Gemeinschaft (Gruppe, Institution, Kirche, Partei, Volk …). Gewissen meint das Zusammen-wissen von Gegebenheiten, Vorbedingungen und Konsequenzen und daraus die Überzeugung: Es ist richtig. So kann und soll das Handeln nach bestem Wissen und Gewissen zu verantworten sein.

Selten handelt jemand ethisch ganz eindeutig richtig oder falsch, gut oder böse. Die Entscheidungssituationen sind meistens so vielfältig, dass wir oft gar nicht alle Zusammenhänge klar erkennen und abschätzen können. Es gilt, das ethisch Richtigere und Bessere zu wählen.

Christen orientieren sich in ihrem ethisch-moralischen Handeln an Jesus Christus. Sie messen ihr Tun an seiner Botschaft, an seinem konsequenten Einsatz zur Erlösung aus der Armut in all ihren Arten. Möge diese Maxime uns immer mehr gelingen!