‚Ich könnte nie zur katholischen Kirche gehören. Ihr betet ja Maria und viele andere Heilige an‘. So höre ich ab und zu von Christen reformatorischer Kirchen sagen.

‚Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen‘ – so bekennen Christen im gemeinsamen Glaubensbekenntnis aller christlichen Kirchen. Es geht um Leben und Glauben jetzt – und es geht um Leben und Glauben in der Frage: Zu welchem Ziel ist Gott mit uns unterwegs?

Paulus schreibt einen Brief ‚an alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen‘ (Röm 1,7). Nach Korinth schreibt er ‚an die, die in Christus als Heilige berufen sind‘ (1Kor 1,2). Und er schreibt ‚an alle Heiligen in Philippi‘ (Phil 1,1).

Die Bibel bezeichnet als heilig, was zu Gott gehört. Heilige Menschen sind also jene ganz normalen Menschen mit ihren starken und schwachen, guten und schlechten Seiten, die zu Gott gehören wollen. In den Anfängen der Kirche wurden alle Getauften als Gemeinschaft der Heiligen verstanden. Heilig-sein hatte nichts mit moralischem Leistungsausweis und menschlicher Fehlerlosigkeit zu tun. Das ist bis heute so.

Unser Glaube an die Gemeinschaft der Heiligen sagt, dass wir mit unserm Christ-sein nicht allein stehen. Alle sind Teil einer grossen Glaubensgemeinschaft. In jeder Eucharistiefeier betet der Priester im Namen aller Mitfeiernden: ‚Sieh nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben Deiner Kirche und schenke ihr Einheit und Frieden‘. In der Gemeinschaft der Heiligen darf sich der einzelne Christ aufgehoben und mitgetragen wissen. Das kann besonders hilfreich erlebt werden, wenn er Zeiten der Krise und des Suchens, des zerstörten Gottvertrauens und der Schuld durchlebt. Die Gemeinschaft der Heiligen glaubt für mich mit. Das tröstet. Ich nehme in meiner Gottverbundenheit auch die andern mit. Die Gemeinschaft der so verstandenen Heiligen weiss um die Kraft und das heilende Wirken des Glaubens auch füreinander.

Die Gemeinschaft der Heiligen verstehen wir auch als Zusammengehörig-sein mit den Heiligen, die uns im Leben und Glauben vorausgegangen und gestorben sind. Mit Heilig-werden, Heilig-sein umschreibt die katholische Kirche auch das Ziel unseres Lebens: Einmal erlöst ganz endgültig bei Gott und mit ihm die zu sein, die wir für ihn schon immer sind.

Im Laufe des Kirchenjahres feiern wir viele Gedenktage an Heilige aus allen Jahrhunderten. Vor allem Maria, der Mutter Jesu, sind einige Festtage geweiht. Viele Leute sind dem heilige Antonius von Padua, Franz von Assisi, Bruder Klaus und heiligen Nikolaus besonders verbunden. Zur heiligen Luzia, Monika und zur heiligen Elisabeth von Thüringen, zur heiligen Theresia und Katharina, der Kirchenlehrerin aus Siena, haben viele eine lebendige Beziehung. Unsere Namenspatrone sind uns da und dort Vorbild auf unserm Weg. Vielleicht sind Ihnen auch Frauen und Männer wichtig, die Sie jetzt ganz bei Gott als Heilige glauben, deren Namen und Lebensgeschichte nirgends aufgeschrieben sind. Sie kommen im Heiligenkalender der Kirche nicht vor. In der Gemeinschaft der Heiligen glauben wir an unser Zusammen-gehören mit allen, die für immer zu Gott gehören wollen.

Wenn wir die Gemeinschaft der Heiligen über den Tod in die Auferstehung hinein glauben, bekennen wir, dass Gottes Befreiung und Liebe zu uns stärker ist als der Tod. Seine Liebesgeschichte mit uns hat mit der Beerdigung nicht ihren Schlusspunkt.

Katholische Christen beten heilige Menschen nie an. Aber wir verehren sie ihrer Glaubenstreue wegen – auch wenn ihr Lebensweg viele Ab- und Umwege kannte. Und wir wissen uns mit ihnen verbunden in der einen grossen Familie Gottes. Deshalb kennen wir auch das Bittgebet zu den Heiligen im Sinn von: ‚Schau Du auch zu mir, zu uns wie eine grosse Schwester oder wie ein grosser Bruder‘.