Ich wünsche es Ihnen nicht, aber passieren kann es ja, dass eines Tages jemand wutentbrannt vor Ihnen steht und fragt: ‚Gehört Ihnen etwa dieses Kind?‘ Worum es dann geht, was das Kind getan hat, das kann keiner von uns sagen. – Aber ich kann Ihnen eine Antwort anbieten auf diese wutentbrannte Frage. Sagen Sie: ‚Nein, dieses Kind gehört mir nicht.‘ Und wenn Sie dann sehen, wie der andere noch an dieser Antwort schluckt, erklären Sie ihm in aller Ruhe: ‚Mir gehört zwar dieses Auto, diese Jacke und noch anderes. Mein Kind gehört zwar zu mir, aber mein Besitz ist es nicht.‘ Was der andere Ihnen dann entgegnen wird, weiss ich nicht. Eines aber steht fest: Wenn Sie das sagen, dann haben Sie den Sinn der Taufe begriffen. Helmut Siegel
Bereits die ältesten Dokumente des NT berichten, dass die Taufe der grundlegende Ritus für die Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen, in die Kirche ist:
1 Kor 12,13; Röm 6,3f; Apg 8,12f; 10.34ff u.a. Das Evangelium nach Matthäus schliesst mit der Sendung und Verheissung Jesu: ‚Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Darum geht zu allen Völkern, macht die Menschen zu meinen Jüngern und Jüngerinnen; tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch aufgetragen habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.‘ (Mt 28,18-20)
Urchristliche Tradition
Die Taufe empfängt ein Mensch einmal im Leben. Das kann in verschiedenen Lebensaltern sein. In der urchristlichen Kirche wurden vor allem Erwachsene und deren Familie getauft. (Apg 16,30-34)
Zur Taufe gehörte eine längere Vorbereitungszeit. Der Täufling wurde in das Geheimnis Gottes und des Lebens als Christ eingeführt. Er ging den inneren und oft auch den äusseren Weg auf die Entscheidung hin: Ich will wie ein neuer Mensch sein, der sich von Gott her versteht. Ich will in Jesus Christus Freiheit gewinnen, die mich zu meinem wirklichen Leben führt. Ich will mich von Gottes Geist zum Leben begeistern und leiten lassen. Ich will zu all den Menschen gehören, die im Geist Jesu leben wollen und so seine Kirche sind.
Und dann feierte die christliche Gemeinde mit ihm die Taufe. Bis heute ist die vornehmste Zeit für die Taufe die Auferstehungsfeier in der Osternacht: ‚In der Taufe feiern wir, dass das Leben des Auferstandenen grössere Macht über uns bekommt als die vielfältige Macht des Todes.‘ (Dieter Emeis)
Heutige Tradition
Auch heute gehört zur Taufe die Vorbereitung des Täuflings oder der Eltern des Kindes, für das sie die Taufe erbitten. ‚Ohne glaubende Eltern darf die Kirche Kinder nicht taufen, weil es keine Taufe ohne Glauben gibt.‘ (Dieter Emeis) Das Sakrament der Taufe kann und darf nicht zur Folklore, zum blossen schönen Ritual verkommen.
In Worten, Gesten und Zeichen der Taufe feiern die Christen aller Kirchen die endgültige Zusage Gottes zum Täufling: ‚Ich sage Ja zu Dir und will Dein Leben, weil ich Dich liebe!‘ Gerade in der Taufe von Kindern wird sichtbar, dass Gott immer den ersten Schritt auf den Menschen zu tut.
Rituale
Die wichtigsten Worte und Symbolhandlungen in der katholischen Taufe sind:
‚Ich taufe Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes‘. Dazu wird dem Täufling dreimal das gesegnete Taufwasser, Sinnbild des Lebens und des Neuanfangs aus Gott, über den Kopf gegossen.
Der Täufling wird im Kreuzzeichen mit Chrisam, einem wohlduftenden Öl, gesalbt zum Zeichen seiner Zugehörigkeit zu Gott, der ihn begleiten will.
Die Taufkerze, die an der Osterkerze entzündet wird, erinnert die Getauften daheim, dass die Verheissung Jesu Christi ihnen durchs ganze Leben gilt: ‚Ich bin das Licht der Welt – und Ihr seid auch das Licht der Welt!‘ Getaufte haben eine Sendung.
Der Täufling antwortet in der Taufe auf Gottes Liebe:
Ja, Gott, ich will zu Dir gehören! Ich will aus Dir und mit Dir und allen Christen leben!
Wenn Eltern ihr Kind taufen lassen, stehen sie vor Gott und der Kirche dazu, dass sie aus ihrer Gottverbundenheit heraus das Kind liebevoll und verantwortlich auf den Weg des Glaubens mitnehmen wollen.