Warum bleibt Br. Klaus im Gespräch?

Bruder Klaus
Temperamalerei um 1550

Viele kennen die Rolle von Bruder Klaus als Friedensstifter und Mahner der Eidgenossen nach den Burgunderkriegen - eine Person, auf die gehört wurde. Doch wer war dieser Mensch? - Hier ein paar Mosaiksteine, um uns neugierig zu machen...

Br. Klaus war Bauer; er stand im Kampf mit den Elementen und war dadurch bodenständig, unsentimental, realistisch. Von seinem Charakter war er bedächtig, etwas schwerfällig und depressiv.

Durch seine starke Boden- und Volksverbundenheit erwuchs ihm ein festes Verwurzeltsein, das sich nicht von jedem Windstoss wegblasen liess.

Er heiratete eine hübsche und kluge Frau: Dorothea; zusammen hatten sie 5 Söhne und 5 Töchter; was auf eine natürliche Sinnlichkeit hinweist.

50 Jahre lebte er als normaler Bürger; er kam zu Ansehen und hatte hohe Ämter inne – obwohl er keine Schulbildung genossen hatte und wahrscheinlich immer Analphabet blieb.

1467 kam eine Wende: er legte als Politiker alle Ämter nieder; als Bauer verliess er den Hof, als Vater und Ehemann seine Familie und Ehefrau. Dies um als Einsiedler leben zu können.

Auch anstössig...

Als 40-jähriger beteiligte er sich an der Absetzung des Gemeindepfarrers (wegen negativem Pfründewesen). Trotz der Uneinigkeit mit dem Gemeindepfarrer sagte er: Man soll sich ganz auf die Predigten ihrer Priester stützen, auch wenn diese ein schlechtes Beispiel gäben... Wie man aus ein und demselben Brunnen, der verschiedene – bleierne, kupferne, silberne, goldene – Röhren hat, dasselbe Wasser der Frische und dem Geschmacke nach trinke, so geniesse man auch von guten und bösen Priestern, die das Sakrament der Eucharistie am Altare vollziehen, die gleiche Gnade.

Br. Klaus half mit, dem Kloster Engelberg das Recht zu entziehen, die Pfarrei Stans ohne Anhören der Kirchgenossen zu besetzen und schreckte dabei nicht von einem Übergriff der weltlichen Gewalt in die kirchliche Rechtssphäre zurück.

mystische Seite

Schon als Kind hatte er eine Sehnsucht nach Gebet und Absonderung, nach Einsamkeit und Fasten, nach dem inneren Gebet.

Seine Einsamkeit war von Gottes ehrfürchtigem Schweigen Gottes erfüllt und für ihn ein Geschenk. Überhaupt kann Einsamkeit wohl nur aus und mit einer tiefen Religiosität, aus einer innigen Gottesverbundenheit von Menschen ohne inneren Schaden über längere Zeit ertragen werden.

Visionen suchten den nüchtern denkenden Bauern heim und zerrissen ihn. Wie dem Propheten Amos begegneten sie ihm mitten in der Alltäglichkeit (z.B. beim Mähen die Stimme aus dem Himmel, er solle sich doch dem Willen Gottes ergeben). Offenbar sträubte er sich gegen den göttlichen Willen, was seinen seelischen Druck erhöhen musste. Darum bedrängten ihn neue, weiter Visionen und liessen ihn nicht in Ruhe (z.B. Lilienvision mit dem Pferd: also durch das Weltliche den himmlischen Schatz zu verlieren).

Bruder Klaus: eine faszinierende, aber auch provozierende Persönlichkeit, die auch uns heute noch Fragen stellt - Fragen nach dem Leben, nach dem Wesentlichen, nach Sinn und Ziel... nach unserem eigenen Suchen und Sehnen...

Es ist lohnend, sich mit ihm auseinanderzusetzen...

Bruno Strassmann

Die Kirchliche Erwachsenenbildung lädt ein, sich ihm anzunähern in den Tagen seines Geburtstages. Einzelheiten zur Veranstaltung in Weinfelden vom 29. März 2017 hier.

Das Theaterstück "der Eremit" ist am 16. März 2017 in Romanshorn - Einzelheiten hier.

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